Theatralisch
Kurzgeschichte: Der plötzliche Spaziergang
Geschrieben von Thomas   
Dienstag, 27. September 2005

Wenn man sich am Abend endgültig entschlossen zu haben scheint, zu Hause zu bleiben, den Hausrock angezogen hat, nach dem Nachtmahl beim beleuchteten Tische sitzt und jene Arbeit oder jenes Spiel vorgenommen hat, nach dessen Beendigung man gewohnheitsgemäß schlafen geht, wenn draußen ein unfreundliches Wetter ist, welches das Zuhausebleiben selbstverständlich macht, wenn man jetzt auch schon so lange bei Tisch stillgehalten hat, daß das Weggehen allgemeines Erstaunen hervorrufen müßte, wenn nun auch schon das Treppenhaus dunkel und das Haustor gesperrt ist, und wenn man nun trotz alledem in einem plötzlichen Unbehagen aufsteht, den Rock wechselt, sofort straßenmäßig angezogen erscheint, weggehen zu müssen erklärt, es nach kurzem Abschied auch tut, je nach der Schnelligkeit, mit der man die Wohnungstür zuschlägt, mehr oder weniger Ärger zu hinterlassen glaubt, wenn man sich auf der Gasse wiederfindet, mit Gliedern, die diese schon unerwartete Freiheit, die man ihnen verschafft hat, mit besonderer Beweglichkeit beantworten, wenn man durch diesen einen Entschluss alle Entschlussfähigkeit in sich gesammelt fühlt, wenn man mit größerer als der gewöhnlichen Bedeutung erkennt, dass man ja mehr Kraft als Bedürfnis hat, die schnellste Veränderung leicht zu bewirken und zu ertragen, und wenn man so die langen Gassen hinläuft, - dann ist man für diesen Abend gänzlich aus seiner Familie ausgetreten, die ins Wesenlose abschwenkt, während man selbst, ganz fest, schwarz vor Umrissenheit, hinten die Schenkel schlagend, sich zu seiner wahren Gestalt erhebt.
Verstärkt wird alles noch, wenn man zu dieser späten Abendzeit einen Freund aufsucht, um nachzusehen, wie es ihm geht.

Franz Kafka

 
Kurzgeschichten: Der Feigheit Mittagsschlaf
Geschrieben von Thomas   
Dienstag, 27. September 2005

Aus den gesammelten Werken O.G.B.
"Warnlied der Gezeiten"
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Es war ein günstiger Moment des Trübsals.
"Krieg, komm zu uns!",: sagte der stille Protest in seiner Selbstvergessenheit, in seiner lautesten Stunde und mutierte zu einer dumpfen Woge exzessiver Weltverneinung, die als esoter-politisches Wirrwar durch die Ritzen der politikbeherbergenden Konfess/konvent-ionsmühle sickert. –

"Habt ihr denn genug Glauben, um zu protestieren?", : fragte die Politik, sich ihrer Sache sicher ... , - sie schrie es dann um die Unterwanderung zu stoppen, - als ein sterbliches Dröhnen die Wände hinauf rollte, von dem man heute noch behauptet es wäre des Glaubens vorletzter Atemzug gewesen.
!Identität s e i !" flehte die Realität, als sie sich, beängstigt von dem Dröhnen, ihrer Sterblichkeit bewusst wurde,: "-und "sei nicht so fraglich!": betete sie ihren Toten nach.


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Gedicht: Worte?
Geschrieben von Thomas   
Montag, 26. September 2005



Lass all den Wahn, bist es nicht wert.
Warst niemals cool und nie begehrt.
Geht wer und lässt dich alleine - gut.
Grübeln hilft, niemals aber Übermut.
Vergiss ihr Reden und ihr Tun.
Da, wo du lebst, da wirst du schon blühn.
Wie? So? Ja! Ach lass sein.
Was sie sagt? Kein Schwein
Interessiert sich für Lügen,
Lass sie alle sich selbst betrügen.
War´s nich wert!
Und wieder begehrt
Ist dein Sinn für sie
Oder nicht? Nie...

 
Gedicht: Wirklich
Geschrieben von Thomas   
Montag, 26. September 2005

Green_Light.jpgWirklich oder nicht, real ist kein Gefühl.
Mehr der Drang nach mehr und trotzdem kühl.
Kanns nicht hören: weichen und gleichzeitig leben.
Wie meditieren auf dem Berg der tausend Beben.

"Mach dich frei davon" klingt viel zu gut.
Mein Verlangen ist die Hitze ohne Glut.
Verloren und erdacht ist meine Idee vom sterben.
Ist doch ohne Mut selbst der Tod das Verderben.

 
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