The Last Shadow Puppets - the age of the understatement
Geschrieben von Jule   
Mittwoch, 23. April 2008

Die Gerüchte gingen bereits letzten Sommer herum, Alex Turner, Sänger und Songschreiber der Arctic Monkeys plante ein Nebenprojekt mit Miles Kane, der bei den Rascals eine ähnliche Rolle spielte.

turner and kane
Nach Monaten voller Geheimnisse, einer ominösen Internetseite die sich schlicht Age Of The Understatement nannte und suspekte Clips abspielte, war es dann endlich soweit - die gleichnamige erste Single erblickte das Licht der Welt und legte den Kurs fest. Auch wenn Amy Winehouse und Duffy bereits einen Blick in die mondänen 60er geworfen hatten, Kane und Turner gehen den ganzen Weg. Anachronistisch ist es, angelegt an die opulenten Kompositionen 60er Popsongs, ein bisschen früher Bowie, auch die Walker Brothers klingen an.

Vielleicht war es schon auf Favourite Worst Nightmare abzusehen, Songs wie "only one who knows" hatten schon ein wenig den Eindruck vermittelt, als hätte sich Turner in die britischen 50/60er verliebt. Dem Produzenten dieses Albums, kein geringerer als James Ford, der unter anderem die Klaxons produziert hat, aber auch mit Simian Mobile Disco durchgestartet ist, schien diese ganz und gar nicht elektronische Richtung zu gefallen, so dass er sich ohne Umschweife dazu bereit erklärte, The Age Of The Understatement zu produzieren.

Das Album ist im Großen und Ganzen ein düsterer Soundtrack zu einem James Bond Film, in dem der Held stirbt, nur um sich im nächsten Augenblick in eine elegante Cocktailparty zu verwandeln.

Die Texte sind bildhafter und weniger Gegenwartsbeobachtungen, wie man es von Kane und Turner gewohnt ist, als vielmehr intime Einblicke ins Gefühlsleben der Protagonisten.

Eines der Highlights des Albums ist mit Sicherheit die Zusammenarbeit mit dem London Metropolitan Orchestra, das u.A. schon mit Pink Floyd, Page und Plant und Kate Bush zusammen gearbeitet hat, in deren Fußstapfen die letzten Schattenpuppen mit Leichtigkeit treten können. Die Kompositionen sind mondän und bedrohlich, mit hochgeschraubten Arrangements, flimmernden Geigen und einem marschierenden Schlagzeug. Insgesamt versprühen sie den Flair von Agentenfilmen und Hitchcockdramen, wer hier nach modernen Britpop-Einflüßen sucht, hat keine Chance, das 21Jh wurde in Small Faces und Shirley Bassey Anleihen verloren und alleine weil die Jungs den Punkrock und Britpop derartig ignorant ausgelassen haben, um Rollkragenpullover und Polyesterschlaghosen wieder in Mode kommen zu lassen, gebührt ihnen Respekt.

Es ist ein, in seiner Nostalgie schwelgend, komplett innovatives Projekt, da die Erwartungen weder erfüllt, noch enttäuscht wurden, immerhin kann man Äpfel und Birnen nicht vergleichen. Manchmal brauch der Fortschritt eben einen Blick in die Vergangenheit, dass wussten nicht nur McFly und der Professor. The Last Shadow Puppets haben es gewagt und für das Jahr 2008 ein beachtliches Debütalbum hingelegt.

 

Die erste Singleauskoppelung könnt ihr euch hier ansehen, in dem nicht weniger retrospektiven Video:

http://de.youtube.com/watch?v=XGV8xCkpXjE


Letzte Aktualisierung ( Donnerstag, 24. April 2008 )