Mit Santogold zum guten Pop
Geschrieben von Jule   
Montag, 30. Juni 2008

Es scheint, dass die Hoch-zeiten der amerikanischen RnB Bewegung vorbei sind, bzw. dass der Wunsch der europäischen Zuhörer nach etwas anderem aufkommt. Electro und Britpop haben die meisten Ciaras und J-Los abgelöst und selbst Timbaland verschwindet langsam aber sicher aus unseren Charts. Wer den Platz füllen soll, darüber munkelt man hinter vorgehaltener Hand schon etwas länger - Santogold.santogol Mit Bloc Party Beats, 80er Electropop-Anleihen und nicht wenigen Pixie-esquen Indiesongs mischt die Amerikanerin das Klischee auf, alle schwarze Sängerinnen müssten Mary J Blige als Vorbild haben. Das gleichnamige Album ist angenehm chillig, tanzbar, abwechslungsreich und nicht gerade arm an exquisitem Singlematerial. Vergleiche mit den Pixies hört sie gerne, wenn jedoch Verbindungen mit der britischen Dancehall-Electro-Königin MIA hergestellt werden, wiegelt die Amerikanerin diese mit der Behauptung ab, sie hätten nun einmal ähnliche Einflüße und mehr nicht.

 

                                              L.e.s. Artistes: http://de.youtube.com/watch?v=Y9JI0GXkARQ

                                                  

Wer sich aber das Werk der beiden anhört stellt schnell fest, dass es vielleicht doch nicht so weit hergeholt ist, nicht zuletzt, weil Mia sich die ehemalige Ska-Sängerin auch schon ins Vorprogramm ihrer Tour geholt hat. Besonders Songs wie "Creator" oder "Shove it" könnten so auch auf MIAs Arular zu finden sein. Das ist an sich nichts Schlimmes, ärgerlich könnte es für Fans der Britin nur werden, wenn Santogold im Sommer mit Songs in den Charts landet, die Mia so schon ein paar Jahre früher geträllert hat.

Im Gro ist Santogold jedoch weniger eckig und verschroben als MIA, was aber der musikalischen Qualität keinen Abbruch tut, da ihre Songs in all ihrer Eingängigkeit genügend Ideen und Eigenheiten aufweisen, die die Halbwertszeit höher und höher schrauben. Und Indiepop, das wissen Fans am Besten, ist mitunter schwieriger zu schreiben und zu produzieren, als jede noch so verkopfte Dancehall/Electro-Hymne.

Santogold, mit bürgerlichem Namen Santi White lässt auf einen Umschwung im aktuellen Musikgeschehen hoffen, mehr Experimentierfreudigkeit und Genreübergreifende Stile, die nichts mit Crossover sondern mit einfacher Kreativität zu tun haben. Denn mit ihrem Album hat Santogold ein Werk abgeliefert, dass zwischen 90er Indie, 80er Pop, ein wenig Ska und mehr Dancehall hin und her tänzelt, ohne auch nur einmal die Balance zu verlieren.


Letzte Aktualisierung ( Donnerstag, 11. September 2008 )