I want to see you sweat!
Geschrieben von Imperator   
Mittwoch, 9. Juli 2008

Paruses.jpgDie Welt würde uns heute viel bunter und fortschrittlicher erscheinen, wenn all die Wirtschaftsinstitute und Unternehmensberatungen gesammeltes Privat Equity weniger auf die Untersuchung zweifelhafter Frühindikatoren verschwenden würden, sondern sich der wohl wichtigsten aber trotzdem unbekanntesten Konjunkturbremse widmen würden, nämlich dem weit verbreiteten Phänomen des Paruresis (wiki), also der immer noch ungeklärten Hemmnis vieler Männer, im Beisein von Zuschauern Wasser lassen zu können. (Siehe auch European paruresis association oder für die Außereuropäischen IPA - International Paruresis Association)

Die wirtschaftlichen Folgen dieser Krankheit sind groß, allein die fehlende Wertschöpfung, die durch das Zögern an den Urinalen entsteht, gehen in die Millionen. Immens auch die Auswirkungen auf die Umwelt, die durch Flächenversiegelung entstehen, nur weil man das Problem Paruresis mit dem vermehrten Verbau von Kabinentoiletten zu lösen versucht. Vergebens, wie Ihnen jeder Paruresier beim Public Viewing oder in Stadiontoiletten berichten wird.

Hin und wieder tauchen viel versprechende Ideen auf, die dem Gepeinigten die Angst vor dem Urinal nehmen soll – so zum Beispiel die Erfindung des Spiels „Pissball“ oder die Umgestaltung diverser Pissoir, wie hier oder gar die Konfrotationsdeko wie hier zu sehen.

Dennoch hilft es selten.

Dann doch gleich so, wie das andere Geschlecht. Frauen benötigen ein vielfaches mehr an Platz zur Verrichtung der Notdurft und aber sie binden nicht so viel Kapazitäten durch das gemeinsame „auf Toilette gehen“. Doch auch hier lautert die Paruresis, wenn sich erst einmal das Damenpissior durchgesetzt hat. (vgl. Dissertationsarbeit: Entstehung der Urinale im Allgemeinen, Frauenurinale im Besonderen – S.90 besonders interessant)
Es bleibt dabei: Frauen und Männer gleichen sich an.


Doch was hat das alles mit der Kulturbande zu tun, wieso wird ausgerechnet nach der EM über derlei Unfug berichtet und wo zum Henker ist der Brückenschlag zur Überschrift?

Ganz einfach – es gibt keine, wenn dann nur diese eine: Schwitze es aus, wenn du nicht allein bist. Und das wusste schon der Psychologe H.P. Baxter, als er in den 90iger die Raver-Paruresier mit: "I want to see you sweat!" heilte.

Lasst es laufen,

Ihr Dipl.Imp


Literaturhinweis:
Philipp Hammelstein: Lass es laufen! Ein Leitfaden zur Überwindung der Paruresis


Letzte Aktualisierung ( Mittwoch, 6. August 2008 )