Scheinaufschwung Ost
Geschrieben von Imperator   
Freitag, 17. April 2009

In Zeiten der Krise reagieren alle Marktteilnehmer empfindlich. Durch panikmachende Studien werden auf einmal Ehen geschieden, Kinder nicht geboren und Autos abgewrackt, die eigentlich noch top in Schuss sind. Es hallt noch die Debatte über Aussetzungen von Konjunktur-Barometern durch die Presse, kommt schon das nächste Institut (Neue Soziale Marktwirtschaft) und veröffentlicht schockierende Zahlen. Gerade rechtzeitig zum 19. Jahrestag des „Infragestellen des Solizuschlags“ und der daran geknüpften Debatte über die Verwendung der erschlichenen Buschzulage, wird wieder einmal in Zahlen festgehalten, dass das wirtschaftliche Deutschland in Ost und Nicht-Ost unterteilt werden kann. Gott sei Dank, die Menschen in Ostdeutschland hatten schon fast vergessen, warum sie Hartz-4 beziehen.

Rostock schneidet (pdf) nach diesem Ranking national sehr schlecht ab, punktet eigentlich nur bei Akademiker-Dichte und öffentlichen Schulden (hört, hört, wie sind wohl doch nicht pleite!). Doch diese Studie hat eine Menge Schwächen. So zeigt sich beispielsweise beim Thema Ausbildung, dass die Stadt Stralsund, Kreis Ostvorpommern und Rügen eine unglaublich hohe Ausbildungsplatzdichte haben. Rang 32 bundesweit, Rang 1 landesweit.
„Die Ausbildungsplatzdichte ergibt sich aus der Zahl der angebotenen Lehrstellen je 100 Bewerber“ so das Kriterium. Doch das geht meilenweit an der Realität vorbei. Jeder dahergelaufene VWL-Diplomand und Demograph wird ihnen berichten, dass in derlei Landstrichen überhaupt keine 100 Bewerber zusammenkommen, da alle Jugendlichen im betreffenden Alter entweder ein Praktikum bei der NPD machen oder vor eben jener in den goldenen Westen geflüchtet sind. Deshalb kommt diese Studie auf 104 Ausbildungsplätze auf 100 Bewerber in Ostvorpommern – eine Überversorgung von Azubi-Plätzen also. Ist damit das politische Argument rechter Parteien eigentlich entkräftet? Arbeit zuerst für Deutsche - nun ja, Arbeit gibt’s nach diese Studie auch für alle anderen sogar für verdummte Nazis.

Die regionale Presse jedenfalls wird die INSM-Studie zum Anlass nehmen, um den Scheinaufschwung zu feiern und verzweifelte Menschen aus München zu einem Umzug nach Anklam zu ermutigen. Der Risiko der Globalrezession ist in Ostvorpommern schließlich verschwindend gering!

Guten Umzug wünscht,

Dipl-Imp.


Letzte Aktualisierung ( Freitag, 17. April 2009 )