Wäre der Flux-Kompensator im freien Handel zu erwerben und würde dieser tatsächlich funktionieren, hätte man die Möglichkeit, durch die Zeit zu reisen um bei denkwürdigen Ereignissen aus der Kategorie „Zeichen und Wunder“ dabei zu seien. Und würde man in Anbetracht dessen eine Liste der „Top 10 weltgeschichtlichen Ereignisse, bei denen ich gern dabei gewesen sein würde“, dann stünde bei mir auf Platz 2, zwischen dem Verkauf der ersten Currywurst und dem Debütkonzert der Libertines) die Inbetriebnahme der ersten deutschen Teletext-Tafel im Jahre 1980, ja genau, der Geburtsstunde des Internets der 80er und 90er!
Ohne dieser Erfindung, meine sehr verehrte Internetgemeinde, gäbe es kein Kulturbande.de! Denn die Idee des Teletextes, Informationen per Knopfdruck zentral und topaktuell einer breiten Masse zur Verfügung zu stellen, basiert auf dem gleichen Prinzip, wie das, was einige Verrückte heute „Internet“ nennen. Und damit nicht genug! Die Parallelen zwischen des Teletextes und des noch viel verrückteren Web 2.0, sind frappieren; man vergleiche nur die faschistoide Zeichenbegrenzung eines Tweets (140 Zeichen) und einer handelsüblichen Teletext-Schlagzeile (ca. 30 Zeichen). Das bringt Teletext-Redakteure noch heute regelmäßig zur Verzweiflung, allerdings sind die auch nicht mit Twitter groß geworden.
Wie dem auch sein, die Veröffentlichung der ersten deutschen Teletexttafel ist nunmehr 30 Jahre her, ein Grund zu feiern! Das dachte sich auch die „Redaktion“ des ARD-Teletextes und hat eigens dafür Themenseiten hochgeladen oder aufgeschaltet wie es richtigerweise heißen müsste. Gar mit historischen Teletexttafeln (S. 751 ff)!
Beschäftigt man sich etwas genauer mit dieser Technologie, wird einem schnell deutlich, was der Videotext alles zu bieten hat. Der Klassiker ist natürlich Sport, Programm, letzte Meldungen, aber weiter hinten, im Verborgenen, schlummern die wahren Schätze! Biowetter (S. 182), Bundesanleihen (S. 735), Pegelstände (S. 192), Rezepte von Lafer&Lichter (S 550 ff.)
Wahnsinn! Und da es Menschen gibt, die auf solcherlei komprimierte Unterhaltung abseits des Wohnzimmers nicht verzichten können, wurden keine Kosten und Mühen gescheut, die 899 Tafeln ganz ohne Medienbruch (wie der Marketingspezialist sagen würde) im Teletext der Zweitausender (ja genau, dem Internet) zur Verfügung zu stellen. Einziger Kritikpunkt: es gibt noch keine App!
Für mich persönlich hat der Videotext nach wie vor höchste Bedeutung. Zu Zeiten der Internetarmut nach Umzügen, ist der Teletext das einzige Echtzeittor zum Weltgeschehen. (vgl. Videotexttafel 112 / ARD Text Stand: 2010-08-05 14:45Uhr, Hrg. ARD)
Mit freundlichen Grüßen,
Dipl-Imp.
PS: Leider gibt es noch keine Software, mit der man die Teletext-Optik emulieren kann. Könnte sich da mal ein Programmieren drum kümmern? Danke!