Russendisko
Geschrieben von Imperator   
Dienstag, 27. September 2005
Der vorsichtige Anfang europäischer Integration, eine gelungene Liebeserklärung an Berlin

Russendisko.jpgPünktlich zur Debatte um Integration, über Parallelgesellschaft und Missverständnisse in Deutschland genehmigte ich mir den Bestseller „Russendisko“ vom Moskauer Immigranten Wladimir Kaminer.
In genau 50 kurzen Geschichten, die irgendwie zusammenpassen, gepresst auf knapp 190 Seiten wird über Einzel- und Kollektivschicksale, über Kuriositäten und Angewohnheiten vornehmlich eingewanderten Russen berichtet. Und der Leser beginnt zu verstehen, warum Deutschland eine große Chance für zukunftslose Osteuropäer Anfang der Neunziger war, warum die Ersten noch den Luxus des deutschen Sozialstaates im Berliner Bezirk Marzahn genossen, warum russische Frauen teuer aber lohnenswert sind, welche Probleme bei dem Amtsgang der deutschen Staatsbürgerschaft auftauchen und auf welche Weise viele seiner Landsleute den oftmals beschwerlichen Weg des Lebens meisterten. Und das alles leichtfüßig und humorvoll erzählt, von einem Mann, der all diese Menschen getroffen, gekannt, ertragen und nicht weniges selbst erlebt hat. Ein Buch, das sicher zur nationalen Aufklärung fremder Kulturen beiträgt und Verhaltensweisen der Russen, Türken und Vietnamesen erklärt, doch mir persönlich nicht tief greifend genug beleuchtet. Auf jeden Fall ein Tipp der leichten Unterhaltung und sicher eine bedeutungsvolle Liebeserklärung eines Russen an den „Schmelztiegel“ Berlin.
Taschenbuchversion 7,90€

Zum Autor:
1990 nach Lehre zum Tontechniker und Studium der Dramaturgie in Moskau eher zufällig nach Berlin gekommen. Seitdem unzählige Veröffentlichungen, Radio- und Fernsehmoderator, Initiator von Veranstaltungen im legendären „Kaffee Burger“ und der bereits bekannten Russendisko.

"Russendisko"
Wladimir Kaminer
Wilhelm Goldmann Verlag 2002
www.goldmann-verlag.de


Letzte Aktualisierung ( Dienstag, 18. Oktober 2005 )