Kurzgeschichte: Die Straße
Geschrieben von Thomas   
Dienstag, 27. September 2005
Stra__223_e.jpg Ich ging wieder mal diese Straße hinunter. Seltsam, zu sehen, was mich damals bewegte. "Es scheint fast so, als wäre ich, für immer dein Feind", ruft da jemand mir wohl bekanntes. In gewisser Hinsicht hat er recht, auf diese Gegend und mich trifft das allerdings auch zu. Marktplatz meiner Kindheit, Zentrum meines präpubertären Lebens. Und heute? Mir kommt es vor, als würde dort gleich ein Heuballen über die Straße rollen. Dazu spiel ich das "Lied vom Tod" auf meiner Mundharmonika und dabei kann ich nicht einmal Blockflöte spielen. Aber das Bild find ich gut, klopfe mir geradzu auf die Schulter für diese Idee. Sowas pittoreskes aber auch. Die grauen Blöcke allerdings nicht. Dumm nur, dass sie hier die kahlen Wände eines pittoresken Zimmers bilden. Ich muss weg! Ich bin erschüttert, wie faszinierend diese Häuser in meiner Kindheit auf mich wirkten. Waren sie doch sooo groß. Dann stand ich auf dem Dach des größten "in town" und mein Glück war unbeschreiblich. Wieder unten angekommen zerplatzte meine Glücksblase. Nüchternheit machte sich breit. Vergangenes Hochgefühl einfach so weggewischt. Und jetzt stehe ich hier und denke: `Wie im Kleinen, so im Großen´. Man sagt, nur die Liebe kann sich schützen vor dem Fluch der Ernüchterung. Leichter Wind rauscht durch den Hinterhof und über die Straße.