...Nicht zu schwer und nicht zu leicht...
Wer Loriot kennt, dem stellt sich zunächst die Frage, ob und
wie es möglich ist, dass ein gewöhnliches Theaterensemble
die humoristische Einzigartigkeit des Loriots - alias Victor von
Bülow - wiedergeben kann; zumal der Ort der Aufführung
doch eher an eine von Waldorfschülern entworfene und aufgebaute
Schulbühne erinnert... trotz allem gelang es dem Ensemble unter
der Leitung von Christoph Gottschalch, der die Loriot-Stücke
seit 2000 einmal pro Jahr für die Compagnie de Comédie
inszeniert, in lobenswerter Weise den eminent-witzigen Loriot-Charakter
angemessen auf die Bühne zu bringen.
In einem Potpourri vor allem altbekannter Szenen werden alltägliche
Situationen des Lebens satirisch dokumentiert, analysiert und durch
den Kakao gezogen.
Dabei lässt der Inhalt der Sketche einen aktuellen Bezug auf
heutige substanzielle Ereignisse nicht vermissen, wie das alltägliche
Aneinander-vorbei-reden von Mann und Frau in „Feierabend“
oder die Abhängigkeit der Gesellschaft vom Fernsehen in „Medium
der Verinnerlichung“.
Wer Loriot allerdings nicht kennt, dem stellt sich vielleicht die
Frage, was an den Sketchen überhaupt lustig sein soll. Eventuell
zu Recht! Denn man muss schon sagen, auch bei aller Mühe der
Darsteller, dass das Stück hauptsächlich von der Erinnerung
an das Original lebt. Dennoch lockt die Aufführung auch dem
Nicht-Loriot-Kenner ein paar Lächler heraus.
Alles in Allem soll diese Theaterkritik den Schauspielern ihr Talent
nicht absprechen, sondern lediglich ausdrücken, dass die kauzige
und senile Art des Herrn von B. unerreichbar ist.
Ein Besuch ist also für Jedermann lohnenswert, nur für
die Kenner von Loriot eben ein bisschen mehr!
Danke an Maria & Martin |