| Der Silvesterkreuzzug |
| Geschrieben von Imperator | |
| Sonntag, 11. Januar 2004 | |
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Silvester ist vorbei, es regnet und ich bin zum zweiten Mal in Folge an einem Samstagabend in Stralsund. Kann es noch schlimmer werden? Selbstverständlich, kann es immer. Und so will ich Euch heute eine Geschichte erzählen, die so wahrscheinlich nicht abgelaufen ist, jedoch mir in faden Erinnerungen vorschwebt:
Es war der Abend zum Jahreswechsel und es sollte einer der Größten Kreuzzüge eines jungen und groß gewachsenen Mannes aus Rostrock werden. Ob er sich großes für diesen Abend vornahm, kann ich leider nicht beurteilen, aber er machte auf mich einen völlig normalen Eindruck. Sichtlich gebeutelt von zuviel Arbeit und zwangsweise zuviel Alkohol traf ich ihn am Silvesterabend in seiner Bude, typisch studentisch eingerichtet aber dennoch sauber und aufgeräumt. Mit starker Stimme erzählte er von seinen Erlebnissen an den Feiertage, stets mit aufklärendem Tenor, dass so etwas, was er erlebt hatte, all seine Vorstellungen über Partys übertraf. Auch ihm ist aufgefallen, dass er es wohl einwenig mit dem Alkohol übertrieben hatte. Aber es stand Silvester vor der Tür und es würde überhaupt nicht seiner Art entsprechen, hätte er dieses Ereignis nicht würdig gefeiert. Und so kam es, wie es kommen musste: Er gab sich schamlos die Kante! Punktgenau zum Jahreswechsel war er sturzbetrunken und all die Erschöpfung der letzten Tage steckte ihm merkbar in den Knochen. Als er und seine vielen nicht weniger betrunken Freunde zu einer Party in der Nähe des Doberaner Platzes aufbrachen, geschah etwas mit ihm. Irgendein Schalter in seinem Kopf, den er nicht kannte, ist urplötzlich umgeklappt und aktivierte eine ihm völlig unbekannte Art. Es war die Eigenschaft, Situationen über zu bewerten und gewalttätig zu werden. Wahrscheinlich wusste er auch nicht, dass er zu reiner Zerstörung in der Lage sein kann. Und ab diesem Zeitpunkt nahm das Unglück seinen Lauf. Noch bevor er die Wohnung, das Ziel der nächsten zwei Stunden, erreichte, schmiss er achtlos Müllcontainer um und zündete diese zu allem Überfuß an. Betäubt durch den Alkohol, kontrollierte er alle ihm entgegenkommenden Autos auf Flexibilität der Außenspiegel bis er auf ein Exemplar traf, das allem Anschein nach keine konventionelle Einklappmethode aufwies. Zum Pech der Besitzer diktierte dieser betrunkene Mann die mechanischen Laufwege des Spiegels nach seiner Lust und Laune, bis schließlich der schöne Spiegel abfiel.
Aus Wut über sich selbst und der Überraschung, zu solchen Schandtaten in der Lage zu sein, zündete er noch mehr Mülltonnen an und pöbelte herum. Alle Anwesenden waren geschockt, dass der sonst so friedfertige Mensch vor ihren Augen sich scheinbar nicht mehr unter Kontrolle hatte und man beschloss, ihn auf der Party ruhig zu stellen. Der zum Monster gewordene Mann nahm eine Einstündige Auszeit. Als ihm nahe stehende Familienangehörige seinen trostlosen Zustand bemerkten, sollte er sich schnellstmöglich auf den Heimweg machen. Torkelnd stand er auf, warf auf dem Boden stehende Getränke um und fiel mit einem breiten Grinsen im Gesicht auf den einzig erwähnenswerten Schatz der Wohnung. Der allseits geliebte Katzenbaum war hin! In Begleitung verließ der Delinquent die Wohnung, stets mit dem Bewusstsein, gerade die Einrichtung zerstört zu haben und anstatt die in sich einzukehren und in Ruhe über die vielen Straftaten der Nacht nachzudenken, bäumte sich der schlechte Charakterzug zum letzten Male auf und veranlasste ihn, ein unschuldiges Straßenschild samt Pfeiler niederzureißen. Ungeheure Kräfte waren wohl dafür notwendig. Wahrscheinlich der einzige Grund, warum das sinnlose Morden dieser Nacht ein Ende nahm. Entsetzt wachte er vor einem Teller Lauchsuppe auf und begann zu verdrängen, was er vor wenigen Stunden angerichtet hatte. Die Angst, eine solche Zerstörung erneut zu erfahren, war für ihn Grund genug, dem Alkohol auf ewig Good Bye zu sagen. Der gute Vorsatz war geboren und alle sind gespannt, wie lange dieser anhält! Vorheriger BeitragDie bewährtesten Lern-Methoden Nächster Beitrag: Suchtbolzen@Fachhandel |
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