| Deutschland, ein Wintermärchen |
| Geschrieben von Imperator | |
| Dienstag, 5. Juli 2005 | |
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Ein wenig verwundert es schon, hätte man doch niemals Marketingexperten in den Reihen der Neunazis vermutet, aber die Protestaktion „Opa war gut“ im Zuge der Ausstellung „Verbrechen der Wehrmacht“ hat schon fortgeschrittene Werbewirkung. Diesen Spruch tragen seit einiger Zeit Gegner (ausschließlich braunes Gesindel) dieser Gedenkausstellung auf T-Shirts, die erstmals Völkermorde in Verbindung mit einfachen Soldaten des Dritten Reiches dokumentiert. Dieser Generationsvorwurf war eigentlich nur den Anhängern der SS zuteil, nun also die historische Verarbeitung mit unser aller Vorfahren. Ich habe nie meinen Opa nach Kriegsverbrechen fragen wollen, da es meiner Meinung nach mir nicht erlaubt ist, über Taten älterer Mitmenschen zu urteilen. Zum einen sind mir die damaligen Lebensverhältnisse nicht objektiv nachvollziehbar und zum anderen möchte ich nicht voreingenommen meinen Großeltern gegenübertreten. Eine Entscheidung, die jedem selbst überlassen sein sollte. Doch seit der Wende 1989 schwelt es nun leise im Dickicht der Gedanken. Völlig verhaltensgestört wird eine Debatte über Patriotismus und Verarbeitung der Geschichte geführt. Unbefangen und Unbeteiligt kann so gut wie keiner argumentieren. Deutsche nicht, Juden nicht und Franzosen überhaupt nicht. Tausend Fragen im Raum, die niemand beantworten will und kann: Wie weit darf Patriotismus gelebt werden? Welche Teilschuld tragen die Enkel des einstigen Volkschauvinismus? Dürfen wir darüber sprechen? Wie stolz darf ein Deutscher sein? Einmal mehr „Stalingrad, Stalingrad – Deutschland Katastrophenstaat“ Und damit sich nicht der Deutsche selbst den Kopf über solche Sachen zerbrechen muss, wurden Menschen angestellt, die uns dies abnehmen. Im Auswärtigen Amt sitzt irgendwo in einem hellen Büro der Mitarbeiter mit dem wohl besten Job auf Erden: Er durchforstet die Ausländische Presse über Artikel die Deutschland betreffen. Und zum Thema Deutschland und seine Vergangenheitsbewältigung findet man eine Menge in den letzten Tagen. Grund dafür ist der Kinostart des Films „Der Untergang“ in England und anderen europäischen Staaten. In der britischen Zeitung „THE GUARDIAN“ konnte man demnach lesen: Der Film sei in Deutschland vor allen Dingen so erfolgreich gewesen, weil er eine Tendenz befriedige, nach der sich auch die Deutschen als Opfer des Nationalsozialismus und nicht nur als Tätervolk sehen wollten. Selbstmitleid habe immer im Vordergrund der deutschen Versuche zur Vergangenheitsbewältigung gestanden. (…)Die Autoren schließen mit der Frage, ob das in dem Film "Der Untergang" zum Ausdruck kommende aggressive Selbstmitleid eine neue Form deutschen Nationalismus darstelle.“ Ebenso erkennt die englische Presse eine „Besessenheit“ bezüglich der unserer Geschichtsverarbeitung. Es vergeht kein Tag, an dem im Deutschen Fernsehen keine Dokumentation über NS-Persönlichkeiten läuft. Hilters Helfer, Hitlers Frauen, Hitlers Förderer und Hitlers Gegner als Spitze des Eisberges. Die Verfilmung der letzten Stunden Hitlers ist also nur als logische Konsequenz der Entwicklung der Geschichtsverarbeitung zu sehen. Und da stellt sich THE SUNDAY TIMES die Frage: „Das schlimmste Unheil vernichtet zu haben, was der Welt je widerfahren sei, sei für Großbritannien eine gute Entschuldigung für seine Besessenheit. Doch "welchen Grund hat Deutschland für seine Besessenheit?" Keine Ahnung? Ich schaue mir diese Reportage schon lange nicht mehr an. Und wie war das gerade, Selbstmitleid als neuer Deutscher Patriotismus. Ja in der Tat, man findet sich selbst in einer zerstörerischen Depression wieder, die das Handeln und logische Denken unmöglich machen. Arbeitslosigkeit als Folge von Selbstmitleid. Leuchtet ein, wenn man bedenkt, dass zu wenig Existenzgründer den Schritt in die Selbstständigkeit wagen. Doch wie kann man dagegen steuern? Vielleicht mehr Selbstvertrauen, mehr Nationalismus? Geht ja gar nicht! Das Ausland verfolgt doch alle Diskussionen penibel genau, stets mit erhobenen Zeigefinger und dem freundlich, aber bestimmten Verweis auf vergangenes Unheil. Also bleibt dem Deutschen auch weiterhin nichts anderes übrig, seine patriotistischen Bedürfnisse im gesunden Stadtpatriotismus zu befriedigen. Gelebt im Fußball, überlebt im Nord-Süd, Ost-West-Gedanken. Mehr nicht. Gebt Euch damit zufrieden! Imperator Vorheriger BeitragWarum Rostock blüht, wenn auch nur als Nachtschattengewächs Nächster Beitrag: Lebenskrisen |
