Machtkampf im Arbeitszimmer – MS Word und die faschistoide Auslegung von Handlungsanweisungen
Geschrieben von Imperator   
Donnerstag, 19. Juli 2007

computer.gifDas weit verbreitete Schreibprogramm Word von Mircosoft steht sinnbildlich für die drohende Niederlage im Kampf um die Macht – zwischen Mensch und Maschine. An alle Word-geschädigten Diplomanten – Ihr seid nicht allein!

 

Meine Erfahrungen über die misslungene Interaktion mit künstlicher Intelligenz und die tiefen Abgründe in der kalten Arbeitsumgebung des Mensch-Maschine-Systems.

 

 

Vor langer Zeit riet mir jemand, ich solle nie die Fassung verlieren, denn dann wird alles nur noch schlimmer. Diesen Rat fortan als Lebensmaxime betrachtet, gelang es mir immerhin 2 ½ Jahrzehnte die Fassung zumindest im nüchternen Zustand bewahren zu können. Doch als ein Lautes: „Verdammt noch mal, was soll dieser Scheiß!?“ durch die weiten Flure der Universitätsbibliothek hallte, war der Punkt überschritten. Es war einer dieser Momente, an denen Computer und unsauber programmierte Software wichtige Entscheidungen nicht mittragen wollen oder können – aus bisher ungeklärten Gründen.

Als ich die zur Erreichung eines akademischen Grades notwendige Diplomarbeit bearbeitete, wurden mir Steine in den Weg gelegt, die zur Überwindung entweder ein IT-Studium mit einschlägiger Praxiserfahrung oder die Geduld des Dalai Lama abverlangen.
Da war zum Beispiel die aufmerksame Geste des MS Word, nach dem Ändern EINES Wortes die Dateigröße des Dokumentes zu verdoppeln. Einfach so, von 3 auf 6 MB, später von 6 auf 12MB. Man kann es als Lobhudelei betrachtet, dass das Programm den Inhalt meines Geschriebenen so viel Speicherplatz einräumen will. Man kann es aber auch als Verarschung sehen, dass die Datei nun nicht mehr per Mail zu versenden geht. An einem anderen Tag war MS Word der Meinung, dass die etlichen Abbildungen nicht die Hindergrundfarbe weiß (transparent), sondern dunkelblau vertragen könnten. Es hat mich eine Stunde meines Lebens gekostet, diese Autoformat-Aktion wieder rückgängig zu machen. Händisch versteht sich.
Ähnliches Verhalten ist zu beobachten, wenn man etwas schluderig die Formatierung der einzelnen Textelemente vorgenommen hat. Ein unaufmerksam gesetztes Häckchen bei „Automatisch für den Abschnitt formatieren“ sorgte fortan für eine Menge Spaß. Wollte ich die Bedeutsamkeit eines Wortes durch Fett-Schrift besonders unterstreichen, belohnte mich das Programm mit dem Dickdrucken des gesamten Textes. Dank der Rückgängig-Taste ist der Fehler zwar schnell behoben, doch werden bei diesem Manöver genau dort Kollateralschäden hinterlassengenau, wo es am meisten weh tut. Im Fußnotentext. Der sympathische Fußnotentrennstrich, der die verfeindeten Parteien des Fließ- und Fußnotentextes von einander trennt, verschiebt sich bei jeder ungewollten Aktion um einige Absätze nach oben – so, als ob er damit die Macht des Programms demonstrieren wolle. Nach einigen Malen besteht eine Seite zur Hälfte aus Fußnotentext und zur anderen aus Fließtext. Als Ostdeutscher habe ich zwar Grenzerfahrung, doch erst nach langem Googeln (
http://www.office-loesung.de/ftopic105321_0_0_asc.php)  konnte ich die Wurzel des Problems identifizieren und eliminieren.
Es ist ja allgemein bekannt, dass solche Sperenzchen mit zunehmender Seitenzahl häufiger vorkommen, doch dass ich das ganze System (Computer und MS-Office) an den Rand der Handlungsfähigkeit treiben kann, war auch mir neu. Über 40 Minuten für das Konvertieren eines Word-Dokumentes in eine pdf-Datei sind schon sehr großzügig bemessen. Einen halben Tag für das Laden aller Abbildungen innerhalb des Dokumentes sind einfach nur ausverschämt.

Betrachte ich nun die gesamte Zeit der Bearbeitung meiner Diplomarbeit, muss ich ein wenig beleidigt feststellen, dass mindestens ein Monat der Gesamtbearbeitungszeit für die Beseitigung der programmgesteuerten Willkür draufging.

Also, entweder ohne Formatierungen arbeiten (einer Überlieferung zufolge hat es tatsächlich mal jemand geschafft, ohne Verzeichnisse und co. eine Diplomarbeit zu schreiben) oder auf andere Programme zurückgreifen, die weniger anfällig sind. Z.B. das sagenumwobene LaTex oder Open-Source-Produkte. 

 

In diesem Sinne, behalte den Fußnotentrennstrich im Auge!
Imp.

 


Letzte Aktualisierung ( Donnerstag, 19. Juli 2007 )