Olympia 2004 Spektakel der Ausreden
Geschrieben von Imperator   
Donnerstag, 19. August 2004

Kommt man erst einmal in das Alter, wo die Fußballstars jünger sind als man selbst oder wo ein gemütlicher Abend vorm Fernseher wertvoller ist als eine exzessive Party mit vielen Frauen und Alkohol, dann wundert man sich auch nicht mehr darüber, dass unpopuläre Sportarten wie Judoka, Trampolin oder Kanu auf einmal sportliches Interesse wecken und Nationalbewusstsein hervorzaubern. Olympia 2004 macht dies möglich. Die großen Medaillenhoffnungen sind unter unglaubwürdigen Ausreden und haltlosen Schuldzuweisungen begraben; Jan Ullrich versucht erneut sein Gesicht zu wahren und schiebt die Alleinschuld auf das schwere Bein; die Stockbauer versteht die Welt nicht mehr, kommt nicht damit klar, dass die Weltelite, zu der sie zweifelsfrei gehörte, besser ist als sie.

Aber einen Satz hört man von allen Verlierern:

„Wir werden das Rennen analysieren und schauen, woran es lag.“

Na gut, dann warten wir eben ein paar Monate, bis die ersten Köpfe rollen und der ein oder andere Sportler traurig in die Kamera blickt und das Karriereende verkündet. Das Deutsche Volk ist erfahrungsgemäß geduldig...
Da Erfolg und Misserfolg nicht nur am Sportler selbst liegt, wie wir den Interviews der Gescheiterten entnehmen können, müssen also die vielen Faktoren neben der Rennstrecke ausschlaggebend sein, dass die großen Hoffungen auf Olympiagold wie eine Seifenblase zerplatzen. Fräulein Arndt, Silbermedaillengewinnerin im Radstraßenrennen bewies uns dies eindrucksvoll mit dem skandalösen Stinkefinger. Dieser galt dem Radsportverband, der aus eher unwichtigen Gründen die Lebensgefährtin der Judith Arndt zu Hause ließ. Ob die Funktionäre die homosexuelle Beziehung der besten Radsportlerin Deutschlands damit gepflegt unter den Teppich kehren wollte, wurde in den Medien nur spärlich diskutiert. Ich vermute, der Präsident des Verbandes hatte eine heiße Affäre mit der jungen, scheinbar lesbischen Radfahrerin und tat alles daran, dies zu verheimlichen. Wie jetzt klar ist, zu einem hohen Preis – einer Goldmedaille...

Aber es gibt ja noch die Kulturbande, die entgegen dem nationalen Trend der Selbstaufgabe kämpft und fightet bis zur Erschöpfung. Und in diesem Sinne rufen wir zu mehr Selbstkritik auf und vielleicht öfter mal einen Fehler einzugestehen als ewig langen Diskussionen über Kompetenz aus dem Wege zu gehen.

Werte Leser,

Ja, wir von der Kulturbande wollten aktueller sein und haben es nicht geschafft, rechtzeitig die Seite zu aktualisieren.
Ja, wir müssen zugeben, das persönliche Glück liegt uns ab und zu mehr am Herzen, als das Glück unserer User.
Ja, wir können feiern als gebe es kein morgen, sind aber nicht in der Lage, dass Design zu optimieren.

Ich bitte aufrichtig um Entschuldigung.

Ihr Imperator der Ehrlichkeit und das Wahrheitsfindungskabinett