Pflänzchen "Aufschwung 2005" - Zertreten strengstens verboten!
Geschrieben von Imperator   
Donnerstag, 2. Dezember 2004
  Warum Rostock blüht, wenn auch nur als Nachtschattengewächs

„Wir haben doch nun wirklich vieles geschafft und bewerkstelligt. Das alles sollte man jetzt nicht kaputt reden.“, hört man allerorts die Politiker und selbst Vertreter der Wirtschaft sagen. Was ist los mit den Einwohnern. Woher kommt dieser Unmut, woher dieses Misstrauen?

Zur IGA 2003 schien Rostock an einem neuen Punkt angelangt zu sein. Die Stadt investierte Millionen in Tunnel, Straßen, Schienen und Häfen. Allesamt wichtige Bausteine auf dem Weg zur Blütezeit einer Großstadt. Eine forschungswillige Universität, eine äußerst stabile Seewirtschaft, mittlerweile hervorragende Infrastruktur, saubere Luft, Traumstrände, Technologiezentren und eine Erstligafußballmannschaft. Warum zum Teufel liegt das Selbstvertrauen der Hansestädter denn trotzdem am Boden?

Das Investitionen nicht nach wenigen Monaten die große Wirkung zeigen, sollte selbst Angehörigen der SAV oder MLPD klar sein. Und wer nach zehn Jahren Bauboom in Rostock erwartet hat, dass es keine Entlassungen und Insolvenzen bei Bauunternehmen gibt, hat wohl nichts in dieser Branche verloren. Gesundschrumpfen nennt es der Volksmund, Marktbereinigung der Fachmann. Wer aber genau hinschaut, wird mir Recht geben müssen, dass Rostock auf dem richtigen Weg ist. Erst gestern ein bedeutungsvoller Schritt zum Aufschwung. Das Handelsunternehmen Lidl baut bis Ende 2005 im Rostocker Seehafen ein Warendrehkreuz für ihre 70 Discountmärkte in Norddeutschland. 150 neue Arbeitsplätze sind ein gutes Zeichen, aber dass der Hafen von dieser Investition erheblich profitiert, ist sicher noch wichtiger. Der Lidl-Geschäftsführer René Engel brachte die Vorzüge des Standortes auf den Punkt: „Autobahn, Schienenanschlüsse, Hafen und günstige Grundstücke.“ Was will die Logistiksparte mehr?

Es sind die kleinen Erfolge, die die Stadt langfristig wachsen lassen, da bin ich mir sicher. Und Gott sei dank hat die Wirtschaft erkannt, dass sich in Rostock auch produzierendes Gewerbe ansiedeln lässt. Nicht so vor wenigen Jahren, als ausschließlich die Vergnügungsindustrie investierte. In einer Stadt, wo unterdurchschnittlich verdient wird. Daher: Wertschöpfendes Gewerbe ist das Zauberwort!

Liebherrwerk, Biomassewerk, ein neuer Windkraftanlagenbauer, jetzt Lidllogistikzentrum sind weitaus hilfreicher, als der hoffnungslose Traum ein Airbusmontagewerk oder BMW für den Nordosten zu begeistern. Bei solchen Bauvorhaben macht die Stadt keine Gewinne, da Großprojekten großzügig Steuerfreiheit gewährt wird.

Das einzige, was diese erfreuliche Entwicklung erheblich hemmt, ist die Politik. Bitte, was ist denn da im Rathaus los? Die Gesamte Bürgerschaft, ausgenommen PDS, stellt erst einen Antrag zur Beschneidung der Macht der Oberbürgermeisterin auf Probe Ida Schillen und fordert jetzt sogar die Absetzung dieser. Grüne, FDP, SPD und CDU sind sich einig. Klingt unglaublich, ist aber so. Die Bürgerschaft kann also doch zusammen arbeiten. Und schon jetzt schwirren Gedanken in den Köpfen der Abgeordneten umher, dass Ex-OB Arno Pöker vielleicht doch nicht so schlimm war. Das verhält sich genauso wie von ihren Männern geschlagene Ehefrauen, die sich nicht zu einer Scheidung durchringen können: Da weiß man wenigsten, was man hat…

In diesem Sinn kämpft gegen Schwarzmalerei, konsumiert ordentlich und bleibt sauber.


Hochachtungsvoll Imp.


Letzte Aktualisierung ( Montag, 7. November 2005 )