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Es ist schon seltsam, wenn man durch die Straßen geht, sich mit Einheimischen unterhält und ein Cappuccino im Cafè um die Ecke genießt. Die Angst vor einem Präventivschlag der Amerikaner ist allgegenwärtig. Die Menschen hier fürchten sich, ihren geregelten Tagesablauf, ihre Einkäufe und Friseurgänge zu absolvieren, immer mit der Angst im Nacken, es könnte jeden Augenblick eine Bombe detonieren. Ich fragte mich, wie können diese Leute mit diesen Umständen leben. Wird man mit der Zeit abgestumpft oder gar unanfällig gegen die ständige Kriegsgefahr?
Man bestätigt mir, dass man ja damit leben müsse, dass man ja keine andere Wahl hätte und sowieso diesen Krieg, in diesem Ausmaße nie gewollt habe. Doch nun ist es so gekommen. Wir begleiteten eine junge Frau, Imordi wie sie hier von ihren Freunden und Bekannten genannt wird, in die Stadt. Sie muss für sich und ihre 6 Kinder Besorgungen machen. Doch ist das nicht so einfach, wenn man in einem solchen Land lebt. Supermärkte gibt es hier schon lange nicht mehr. "Die hat der Alte zerstört" erzählt man hier. Und wenn man auf den Markt geht, ist es nicht selten, dass man hier leere Gemüsestände vorfindet. Doch die Menschen hier nehmen das nicht so ernst. So hat man fast das Gefühl, sie hätten aus dem einstigen Provisorium ein Grundeinstellung entwickelt, die das Land und die Leute zusammenrücken lässt. So richtet sich all ihr Hass gegen die Amerikaner, die hier nicht selten für die Misere des Landes verantwortlich gemacht werden. Auf die Frage, was sich den verändern würde, wenn Saddam nicht mehr da ist, sagen die meisten, dass das ihr Ende wäre. So befürchten die Iraker Terror von den vielen Fundamentalisten und einen Aufstand der Kurden. Und ausgerechnet diese Kurden rüsten auf, um die Stunde Null des Diktators zu nutzen und einen unabhängigen Kurdenstaat zu gründen. Zu frisch sind die Wunden, als Saddam 1991 eben diese Kurden mit Giftgas bekämpfte. Zu deutlich die momentane Unterjochung. So ist der Gegensatz von Religion und Interessen in dieser Region ganz besonders zu spüren und die Ungewissheit nach einem Krieg zu groß, um vernünftige Entscheidungen zu treffen. Doch das interessiert Imordi alles nicht. Sie muss für ihre Kinder sorgen und wünscht sich nichts sehnlicher, als genügend Nahrung und warme Kleider. Denn der Irakische Winter kann sehr kalt werden…
Frontberichterstatter haben es schon schwer in ihrem Leben. So sind sie stets bemüht, den Alltag der Betroffenen möglichst dramatisch zu beschreiben und auch wichtige Fakten plus eigene Meinung einzubauen. So geht mein Gruß der Woche an alle Journalisten im Ausland, an der Front sozusagen.
Frage der Woche:
Keine Macht für niemand! So lautet das Sprichwort, dem einst tausende Studenten gefolgt sind. Und heute? Kriegsgefahr im nahen Osten. Rezession in der Wirtschaft. Explodierende Benzinpreise. Folterei bei Verhören. Und Daniel K. als Superstar. Ist das nicht Grund genug auf die Straße zu gehen? Was ist nur los mit der einstigen Elite des Landes?
Wahrscheinlich hat sich einiges geändert. Wo früher der Student Steine auf die Axel Spring Hauptgebäude warfen, stehen heute Beamte, die gegen Kürzungen im Beamtenstaat Deutschland demonstrieren.
Die Frage der Woche: MUSS SICH DAS ÄNDERN?
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