PM-Archiv: IGA-Theater
Geschrieben von Imperator   
Sonntag, 22. Juni 2003

"Wir leben schon in schwierigen Zeiten", hört man an jeder Ecke die Leute schimpfen. Und sie müssen wirklich schwierig sein, haben doch prominente Hoffnungsträger selbst keinen Ausweg aus der Misere gesehen und sich aus dem Flugzeug gestürzt. Der Fall Möllemann erhitzte die Gemüter und auch bei der Kollegin Hannelore Kohl war das Entsetzen groß. Dann heißt es einmal mehr bei Arabella: "Wenn Leitbilder aufgeben. Wie weit bin ich vom Selbstmord entfernt?"
Und um dem kollektiven Freitod zu entkommen, denken sich schlaue Köpfe Veranstaltungen aus, die das Volk aufheitern sollen. So auch in Rostock. Fährt man durch die Straßen dieser sympathischen Hansestadt, bemerkt das geschulte Auge eine Veränderung. Überall neue Häuser, Straßen und Cafes. Und wenn man in der Bank steht, hört man Menschen sagen: "Schau mal, neue Geldautomaten. Die sind ja toll" und jeder weiß, "das hat uns die IGA gebracht!" Jawohl, die IGA und ohne sie wären wir nur eine kleine Provinz mit Arbeitsplatzproblem und zu hohen Gewerbesteuern. Also sollten wir der IGA danken und das Eintrittgeld mit einem Lächeln im Gesicht bezahlen. Verglichen mit dem was uns die Ausstellung bringt, sind 14,-Euro geradezu unbedeutend wenig oder wie Professoren sagen "infinitesimal". (kann durchaus falsch geschrieben sein, weil mein Fremdwörterlexion keine Suchfunktion hat)
Doch da schließt sich der Kreis. Ohne Geld kein IGA-Besuch --> keine Unterstützung aus der Bevölkerung und so gerät schließlich die IGA in den Flopstrudel. Und davor hat man hier Angst. Es gab in der Geschichte der Großveranstaltungen jede Menge Flops, davon können die Hannoveraner ein Lied singen und wenn in Rostock die Gefahr besteht, dass weniger als 1,5 Mio. zahlende Besucher den Weg auf das Gelände finden, wird eine gigantische Werbekampagne gestartet, die die Kosten des Baus übersteigen. Dann hat man zwar noch mehr Verluste eingefahren, aber kann mit Stolzgeschwollener Brust berichten, dass mehr als 4 Mio. Gäste die IGA besuchten und dass das die kühnsten Prognosen um das Doppelte überschreiten. Herzlichen Glückwunsch!
Um das zu verhindern, müssen alle heute noch 3,-Euro zurücklegen, zur Bank ihres Vertrauens laufen und einen Kredit aushandeln, der es ihnen ermöglicht, die grüne Ausstellung am Meer zu besuchen. Höchstwahrscheinlich heißt es dann bei Arabella: "Was tun, wenn man sich verschuldet hat, um seine Heimatstadt zu retten."
Ihr habt ja Recht. Das ist doch alles Schwarzmalerei. Es geht uns nicht schlecht. Und die IGA ist der Renner.
Doch warum bringen sich immer mehr Politiker um? Sehen sie keinen Ausweg? Werden sie von den Medien für ihre Inszenierung des eigenen Todes bezahlt? Wollte Möllemann mit dem Zug von Dresden nach Köln fahren und vergaß seinen Koffer? Plant Friedrich Merz eine Comedy-Karriere? Und warum lässt sich George DoubleWar Bush das Alte Testament auf seinen Rücken tätowieren? Da stimmt doch etwas nicht…

 


Letzte Aktualisierung ( Dienstag, 2. Oktober 2007 )