PM-Archiv: Polen, Land der Ideen
Geschrieben von Imperator   
Montag, 1. September 2003

Ärmel hochkrempeln! Es gibt viel zu besprechen. Die komplette Polenurlaubsgeschichte von der Reisegruppe Imperator ist da!
Wie aus der Hilfe-SMS vom letzten Samstag zu sehen war, gab es Vorkommnisse.
Um dem Partymob-Leser auf dem Laufenden zu halten, berichte ich Euch, dass der Adjuba nach einmonatiger Geheimdienstarbeit aus St. Gallen (Schweiz) zurückgekehrt ist. Bandbeauftragter Mastesy (Alles Gute zum Geburtstag) befindet sich ab Dienstag für sehr lange Zeit in Lateinamerika. Selbstverständlich für die Partymobisierung der Ungläubigen Welt. Von einer ähnlichen Tour sind der Militärminister und die Chefärztin PMs heimgekehrt. Nur das sie am Strand der Dom. Rep. mit tausend Cocktails die Waffen der anderen Länder begutachteten. Im Sinne der Sache versteht sich. Auch der Mabelias ist fleißig, so traf ich ihn am Samstag neben der Indie-Legende MV Frank im M.A.U.-Club. Nicht als Groupie, sondern als Gast-DJ. Was der Partymob so alles treibt. Was die Studenten für Unmengen Geld haben…

Der Imperator und 3 Sympathisanten des Regimes sind auf einer besonderen Mission: "Wie fruchtbar ist das Land im Osten (im Osten Europas wohl bemerkt)."
Das Imperium muss wachsen, hieß es aus Regierungskreisen und so machten sich die 4 Menschen auf den Weg, den goldenen Osten zu erforschen. Die anfänglich geplante Route über Tallin(Estland) wurde aufgrund explodierender Kosten im Sozialsektor und überzogener Fährgebühren abgeändert in eine Polenrundfahrt.
"Polen? Ist das nicht das Land, was vorne teuer, hinten billig und in der Mitte verarmt ist?" Richtig kleiner Richie. Polen hat Probleme. Doch nicht nur das Land, auch wir, die Touristen, haben so unsere Problemchen. Schon kurz hinter der Stadtgrenze Rostocks beklagten wir einen totalen Stromausfall in unserem Automobile.
"Ist das nicht gefährlich?" Noch mal richtig, Richie. Und nun wasch die Wäsche. Die Ursache war schnell gefunden, schließlich rauchte der Zigarettenanzünder. Nur ein geschultes Auge, wie unser Chefingenieur und Initiator der Reise Dr. K. eines vorweisen kann, erkannte, dass die selbst gebastelte Kühltruhe einwenig zuviel Strom aus dem Anzünder zog (im Elektrotechnischen Sinne eine falsche Redewendung, aber in Elektrikerkreisen durchaus anwendbar) "Alle lebenswichtigen Hilfssysteme sind ausgefallen", lautete die Diagnose. Also keine Innenbeleuchtung. OK, damit kann man noch leben. Schließlich sind wir junge Menschen auf dem Weg nach Polen; was soll denn da die fehlende Innenbeleuchtung großartig ausrichten?
Antwort: Die Tatsache, dass man im Dunkeln nicht weiß, wie schnell man wirklich fährt. Doktor K. wurde geblitzt!
Also waren wir tatsächlich zu schnell unterwegs. Auch wenn wir erst unser Tagesziel um 1 Uhr nachts erreichten.
Nicht dass das Auto zu langsam oder die Straßen zu voll waren, nein, die Straßen waren einfach nicht befahrbar. Rund um Stettin existiert ein bisschen Autobahn. Die Polen haben vielleicht in ihrem Land 30 km Autobahn, wobei wir 15 rund um Stettin befahren durften. Kindskopf große Schlaglöcher, fehlende Markierungen, Zebrastreifen über vier Spuren und die 200. Ausbesserung des Belags haben deutliche Spuren hinterlassen. In Deutschland findet man vielleicht noch solche Straßen in Halle oder Potsdam. Also fürs Protokoll: Die Straßen sind untragbar!!!
So endeten wir mit deutlicher Verspätung auf einem Campingplatz der ganz besonderen Art. Kaltes Wasser in an den Seiten offenen Duschen. Ein neues Gefühl, beim Duschen die Schiffe auf der Swine zu beobachten.
Alles war kalt, denn es regnete.
Nach einigen schönen Tagen entlang der Ostsee und dem Wissen, dass der mitgereiste Hund wohl doch auf Hundejungs steht, brachte sich das nächste Problem am Auto auf.
Doktor K. hatte das Letzte noch in Eigenregie reparieren können, doch schien das Jetzige größeren Ausmaßes zu sein. Eine Kontrolllampe in der wieder funktionierenden Bordbeleuchtung deutete auf a) Kühlwassernot b) Reglerwillkür oder c) auf ein schwerwiegendes Problem am Zylinderkopf hin. Ein Hilferuf in mitten Polnischer Provinz schien uns aussichtslos und so mussten die Freunde vom ADAC herhalten. Aber wie es in einem schlechten Roadmovie zu erwarten ist, beklagte sich die Mitarbeiterin über einen Systemausfall ihrer Computer. "Sobald ich die gewünschten Informationen habe, rufe ich sie wieder an." Darauf warten wir noch immer.
Aber wer braucht schon ein Automobilclub. Wir haben doch Doktor K. In den folgenden 20 Stunden sah man ihn nur neben, im, unter, auf und vor dem Auto.
Ich habe keine Minute an dem Gelingen der Reparatur gezweifelt.
10 Liter Kühlflüssigkeit weiter, wir schreiben den Freitag (5. Reisetag) und stehen vor den Toren Danzigs. Eine Stadt, so der Reiseführer in Taschenformat, wie sie selten in Europa ist. Eine wunderschöne Altstadt soll es also dort geben. Wegen der Reparatur brach bereits die Nacht über Danzigs Himmel ein und wir suchten einen Ort zum Schlafen. Da wir auf dem Weg nach Danzig bei einer Werkstadt anhielten und einen Fachmann konsultierten, sind uns leider die Bierreserven ausgegangen. Diese hatten wir als Bezahlung eines Arbeiters zweckentfremdet, der den Fehler am Auto auch nicht feststellen konnte. So mussten die Anne und ich spät nachts durch die Straßen Danzigs irren, immer auf der Suche nach einer Petrol-Station oder einer der vielen Skleps, was tagsüber als Tante-Emma-Laden und nachts als Night-Shop zu verstehen ist. Doch wir fanden keinen. Es schien, als ob wir in der langweiligsten Ecke Danzigs nächtigten. Vielleicht war es aber auch die Kriminellste? Die Polen hatten genügen Zeit und Möglichkeiten gehabt, uns zu überfallen. Aber sie taten es nicht. Und so fanden wir nach 1000 km einen Sklep, der Wein und Zigaretten verkaufte, aber den nötigen Öffner nicht im Sortiment führte. Dementsprechend lang war der Rückweg…

Zusammengekrümmt und steif gefroren wachte ich auf. Es war 11Uhr. Draußen waren nicht mehr als ein paar Grad und ich dankte meinem viel zu kurz geratenen Schlafsack für die eisige Nacht. "Heute ist Danzig angesagt" und nach dem Geld wechseln im Kantor wurde bereits mit der aufwendigen Parkplatzsuche begonnen.
Statistiken besagen, dass die meisten Autos in Danzig aufgebrochen werden. Und deshalb sollte ein solcher Parkplatz mit äußerster Sorgfalt ausgewählt werden. Wie eine Fatahmorgana leuchtete an der Hauptstraße ein freier Platz. Wir näherten uns mit Skepsis, schließlich war dieser Parkplatz unbewacht. Doch nach näherer Betrachtung schien er optimal.
Hauptverkehrsstraße, gegenüberliegend eine Policia(Polizei) Station.
Ist das Sicher? Es ist sicher!

Wunderschöne Altstadt.

Keiner hatte es wirklich erwartet. Das Auto stand noch da. Doch ein zuvor gekauftes Brot lag auf dem Gehweg.
Kommt das nicht aus dem Auto?
Wieso ist das Fenster offen?
Hatten wir nicht vorher alles abgeschlossen und jede einzelne Tür mit Extra-Vorhängeschlössern gesichert? (das Entschärfen dieser Sicherheitsgegenstände dauerte meist länger als der Aufenthalt)
Doch das half alles nicht. Wir wurden dreist bestohlen!!
Hastige Blick durch das Auto, was fehlt, was ist noch da. Und es dauerte eine Weile, ehe wir begriffen, dass unser gesamtes Hab und Gut, unsere Reisetaschen gestohlen worden waren. Das Entsetzen war groß, schließlich besaßen wir nur die Kleider die wir trugen. Und das ist nicht gerade viel.

Die Verluste:

Sicher, jeder hatte Lieblingsstücke verloren, doch bei mir war der Verlust besonders schwerwiegend. Meine Imperator-Brille, wer kennt sie nicht, weg. Partymob-Shirt, weg. Der Fotoapparat, weg. Nach 4 Jahren Bartwuchs habe ich den schwachen Sloty ausgenutzt, um mir neue Rasierklingen zu kaufen, weg.
Wenig später auf der Polizeistation: (sinngemäß) "Wir können kein Deutsch, kein Englisch und haben eh kein Interesse, dieses Verbrechen aufzulösen." - Dementsprechend schwer war die Aufnahme der Anzeige und dauerte somit mehrere Stunden.

Nachdem wir den Verlust verkraftet hatten und zurück auf dem Zeltplatz uns mit zuvor gekauften Wodki und Wein betranken, schien die Welt wieder in Ordnung. Nächsten morgen ohne Zähneputzen (da alles weg war) zum Super-Big-Einkaufszentrum (sonntags bis 22Uhr geöffnet!) und 4 Stunden eingekleidet, soweit der Geldbeutel es zuließ.
Wir waren uns nicht ganz sicher, ob wir unsere kleine Tour weiterführen sollten, doch sahen wir den Einbruch als Ausnahme und gaben diesem Lande eine weitere Chance.
Am gleichen Tag wurde erneut eingebrochen - an Dreistheit nicht zu überbieten - Rückfahrt!!!
Diesmal wurde zwar nichts geklaut, weil der Hund auf das Verbliebene wachte, doch war es ein Wink mit dem gestohlenen Zaunpfahl. Nun sind alle Schlösser geknackt und das Auto bot unseren Habseeligkeiten keinen ausreichenden Schutz.
Gebeutelt und verarmt traten wir die Rückreise an. Wir zelteten schwarz an den schönsten Orten Polens, hatten noch jede Menge Spaß und rochen Gas. "Gas?", "Ja Gas im Auto, Richie" Jedenfalls bildeten wir uns das ein.
Doktor K jedoch ließ sich von der Panikmache kaum beeindrucken und fahndete nach der tatsächlichen Ursache.
Eine kochende Batterie benebelte die Insassen seit geraumer Zeit. "Die muss wohl abgeschlossen werden." -> Rest der Fahrt keine Musik!
Am 9. Tag der Reise betraten wir deutschen Boden, mit fettigem Haar und mit einem lachenden und weinenden Auge. Es war abgesehen von ein paar Ausnahmen ein schöner Urlaub mit viel Natur und einer Menge Überraschungen. Aber so etwas macht schließlich eine Reise aus…