| Sommermode |
| Geschrieben von Imperator | |
| Montag, 8. März 2004 | |
an alle Nicht-Analphabeten --- Vorsicht Lex!
In verheißungsvoller Erwartung den Frühling mit Hilfe einer übereilten Radwechselaktion einzuläuten, wurde ich mit einem kräftigen Schlag ins Genick in die kalte, norddeutsche Realität zurückgeholt. Ich hab die ewigen eisigen Temperaturen satt und will endlich weibliche, leicht bekleidete Schönheiten sehen. Alles was den Frühling vermuten lassen könnte, war noch nicht da, und alles was auf eine weitere Woche Schnee und Regen deutet, kann ich nicht mehr ertragen. Und jetzt, wo die fleißigen Ingenieure wieder in HST einem geregelten Studentenleben nachgehen, fällt die mir die ewig gebückt-zitternde Haltung ganz besonders schwer. Ein (für alle Klischeebehafteten Leser) untypisch weiser Unteroffizier der deutschen Luftwaffe sagte einst zu der fröstelnden Truppe: „Es gibt hier nur zwei Wetterlagen: Regen von oben und Regen von der Seite!“ Und das lässt sich problemlos auch auf Stralsund übertragen. Der einzigen deutschen Stadt, wo eiskalte, ungepolsterte Schalensitze eine Busfahrt zu einem unvergesslich schmerzhaften Erlebnis machen lässt. Doch so sehr ich mir auch den Sommer herbeiwünsche, stellt sich mir ein schier unüberwindbares Problem. Das Fehlen jeglicher geeigneter Sommerbekleidung. Um Euch mein Leiden zu verdeutlichen, habe ich hier einmal etwas vorbereitet. Ein Bild, aufgenommen vor dem Polen-Gau 2003. Die durch unprofessionellen, schwarzen Pfeile gekennzeichneten Bekleidungsstücke sind dank eines Diebstahls im Herzen Danzigs abhanden gekommen. Es handelt sich hierbei um eine von Kubanischen Kinderhänden gefertigte Che Guevara-Gedächtnismütze, die in dieser Form wohl nur an den Traumstränden Kubas verkauft werden. Ein Sammlerstück sondergleichen, unbezahlbar(eine Hand voll Dollar) und unwiederbringlich(ausgenommen Kuba-Touristen). Ich will dem polnischen Verbrecher keine großartigen Vorwürfe machen. Er tat das, was getan werden musste: Eine gepeinigt studentische Reisegruppe aus dem strukturschwachen Nordosten mit über 20%-Arbeitslosenquote auszurauben. Wer hätte an seiner Stelle anders gehandelt? Ich erhebe allerdings schwerste Vorwürfe gegenüber dem vermeintlichen Secondhand-Käufer im Großraum Danzig. Er hätte ahnen müssen, dass die nach höchsten Qualitätsvorschriften gefertigte Mütze nicht zum Standardrepertoire des Durchschnitts-Polen zählt. Dieser Kritik muss er sich stellen!
Eine aus alten Beständen der Luftwaffe stammende, zeitlose Fliegersonnenbrille Marke „Top-Gun 3000“ gilt unter Kennern als begehrtes Prachtstück. Dürfen sich nur bedeutende Diktatoren und Dallas-Darsteller tragen. Halbseitig beschädigt, in zahllosen Kriseneinsätzen stieg der Wert dieses Reliktes der Spätachtziger unaufhörlich. Die einst im trüben Badewasser während des Immergut-Feldzuges 2003 verloren geglaubte Brille, musste mehr Schrecken und Schicksalsschläge anschauen als sein Besitzer und wird nun vermutlich von einem Veteran der gefürchteten polnischen Streitmacht getragen. Auch diese Brille fordere ich zurück und um den an mir entstandenen Gesichtsverlust zu rächen, fordere ich zusätzlich dessen Kopf! Brille und Hut bilden allerdings noch lange kein Karibikoutfit. Selbstverständlich nicht. Dieses in olivgrün gehaltene Herrenhemd gehörte zu meiner damals äußerst modisch-eleganten Abi-Ball-Verkleidung. Von für mich unschätzbarem Wert, fordere ich diesen Meilenstein hessischer Textilkunst unversehrt zurück! Ebenso Vier der berühmten Fünfer-Imperator-Gedächtnis-Kleinkarierte-Hemden-Kollektion sind bei dem Attentat zum Opfer gefallen. Minder Schmerzhaft gedenke ich an meinen kompletten Coole-Kurze-Hosen-Bestand sowie an die bittersüße Erinnerung, einmal postmodern-unauffällige Schuhe besessen zu haben. Den erlittenen Unterwäscheverlust trage ich jedoch wie ein Mann. Schauen wir nun abschließend noch einmal auf das Foto. Ich wäre nackt! Gemacht von polnischen Diebeshänden! Danke. Tschüss!
In Memory an den Erfinder des Weltfrautages (8.3.)
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Aber es sind ja noch weitere Pfeile im Bild zu sehen.