Suchtbolzen@Fachhandel
Geschrieben von Imperator   
Donnerstag, 1. April 2004

 

Vor nicht einmal zwei Wochen stand (wie ausreichend berichtet) die Mensaparty an. Und da sich Besuch aus der Heimat ankündigte, stand die elendige Frage im Raum: Aufräumen und Saugen? Nicht das ich mich hätte geschämt, für dreckige Fußböden und klebrige Küchenmöbel. Nicht geschämt, aber sicher geekelt, hätte ich auf dem Boden nächtigen müssen. Daher bestand keinerlei Diskussionsbedarf.

Nun gut, ich schaue durch die Wohnung und bespreche mit meinem Mitbewohner die Strategie des Reinigens. Wie er richtig bemerkte, stand an allem Anfang das Leergut, angesammelt über mehrere Monate und Partys, teils allein, teils mit realen Gästen, und dieser Haufen musste weg. Die Einigung, dass er abzuwaschen und ich das Problem zu beseitigen habe, schien mir recht fair. Und faul wir der Mensch ist, sollte die gesamte Menge an Bierflaschen und Kästen mit einem Schwung zum Auto geführt werden. Verständlich, wenn man weiß, dass wir im höchsten aller Stockwerke im Umkreis von ein paar dutzend Fuß wohnen.

Freundlicherweise half mir der Abwäscher und belud sowohl mich als auch sich mit einer Vielzahl von Flaschen.

Rückblickend muss ich sagen, ich hätte nicht gedacht, dass mehr als 90 Flaschen im Erdanziehungsfeld ein solches Gewicht entwickeln können.

Schweißgebadet setzte ich mich in sein Auto, voll gepackt mit Pfandgut und klimperte um die Ecke zum Getränkefachhandel. Dort angekommen, packte ich einen Einkaufswagen, stellte Flaschen und Kästen auf ihm ab und zottelte hinein.

Noch immer im Schweiße gebadet und zusehends außer Atem stand ich dem Fachhandelsverkäufer kurz vor 20 gegenüber. Er schaute auf die Flaschen, auf mich und fing an zu zählen. Geduldig und penibel.

Das dauerte mir alles zu lange, ging ihm zur Hand und sortierte mit.

Doch durch die übermäßige Überbeanspruchung meiner unterentwickelten Muskulatur zitterte mein gesamter Oberkörper inklusive Arm und Hand. Etwas verblüfft aber nicht geschockt versuchte ich dieses Handicap zu verheimlichen.

Nachdem meine unbezahlte Arbeitskraft und die Unterbezahlte des Auszubildenden nicht ausreichte, die Flaschen zügig in Kästen unterzubringen und auch sonst nichts im Fachhandel für Getränke los zu sein schien, half mir nun auch die Chefin des Hauses. Nach ein paar Minuten war der Wagen leer. Ich richtete mich zitternd auf und erkundigte mich bei der Chefin, wo ich denn meine Stammmarke Rostocker herbekommen könne. Mit leiser und unsicherer Stimme deutete sie die Richtung.

Nun stand ich an der Kasse: ein Kasten Bier, ein BigPack Luckys sowie protzig die Kundenkarte zückend und wollte bezahlen. Und als ich das Kleingeld zählte, bemerkte ich meine zitternden Hände und den Missstand dieser Situation.

Ein unrasierter, schweißnasser Studententyp kommt mit 200 leeren Bierflaschen in ein Spirituosenhimmel, kassiert für das Leergut 13 Euro, investiert dies in neue Rostocker und Kippen und bezahlt mit zitternden Händen das fehlende Hartgeld. Grinsend verlasse ich das Geschäft.


Letzte Aktualisierung ( Dienstag, 20. Dezember 2005 )