Von der Liebe zu Haushaltsgeräten
Geschrieben von Imperator   
Mittwoch, 25. Januar 2006

stuhl_klein.jpgMir als gestandener Rationalist sind zwar die Antworten, was die Welt im Innersten zusammen hält, geläufig, nur versperre ich mir durch solche Homo-Faber-Denkweisen jeglichen Zugang zur Kunst. Kann Kunst auch rational erfasst werden und viel wichtiger, kann sie so überhaupt verstanden werden? Keine Ahnung, ich sehe nur einen Stuhl mit viel Fett drauf. Sehen Sie mehr?

Zur Klärung eben solcher Sachverhalte kann die Menschheit Gott sei Dank auf Künstler zurückgreifen, die mal plausibel, mal wirr beratend zur Seite steht.

Jetzt hat eine junge Studentin eine weitere Sichtweise aufgedeckt, die das Leben leider nicht einfacher machen wird. Gibt es emotionale Bindungen zu Gegenständen des täglichen Bedarfs und wenn ja, kann man vielleicht gezielt diese Beziehungen durch wenige Änderungen an den Geräten fördern?

Nun man kann, wie Monika Hoinkis uns mit ihrer Diplomarbeit("Living With Things") bewiesen hat. --> Hier zum Download

Sie hat zum Beispiel einen handelsüblichen Wecker derart modifiziert, dass man eine Strippe ziehen muss, damit dieser überhaupt klingelt. Da fragt der Laie zu Recht, wer hier eigentlich wen wecken muss. Die Idee ist klasse. wecker.jpgAuch ich habe mir häufig eine emotionale Bindung zu dem Gegenstand gewünscht, der mich tagein tagaus als erstes begegnet. Dank dieser Diplomarbeit kann ich das erste Mal darüber nachdenken, ob ich den Wecker hassen, weil er mir tausende Stunden kostbaren Schlaf gestohlen hat, oder doch lieber danken sollte, da ich sonst die wahrscheinlich schönsten und wichtigsten Momente meines Lebens schlicht weg verschlafen hätte. Nur verkompliziert sich dadurch das Leben der Menschheit nicht unbeträchtlich. Denn wo man früher nahe zu täglich Sozialisation und Kommunikation mit Freunden, Verwandten, Bekannten betrieben hat, gesellen sich nun auch noch dutzende Haushaltsgeräte in die Warteschlage, um getröstet, geliebt, gehasst sprich wahrgenommen zu werden. Ob es den Terminplan des Menschen auf den Kopf stellt, denn jetzt stellt sich die Frage ob ich erst das klärende Gespräch mit meiner Schreibtischlampe oder mit meiner Mutter führen soll, wird sich wohl erst in ein paar Jahren herausstellen.

 

MfG

Imperator


Letzte Aktualisierung ( Mittwoch, 8. Februar 2006 )