Wenn Männer Bier trinken...
Geschrieben von Imperator   
Mittwoch, 20. Juli 2005
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Wenn Männer Bier trinken, meine Damen, geht es fast immer um Themen mit Weitblick. Und da Männer häufig Bier trinken, ist es nicht verwunderlich, dass interessante Fragen im Verlauf eines einzigen Abends aufgeworfen werden.b-postkarte-kl.jpg
„Auf was kann man als Rostocker stolz sein“, wurde da letztens gefragt und wenn man sich im Idealfall am Folgetag an den Inhalt der Gespräche erinnern kann, ist es genetisch bedingt, dieser Frage bis ins Mark nachzugehen. Und das habe ich getan. Die Suche führte mich durch deprimierende Foren (Intro-Forum – Rostock als einer der hässlichsten Städte Deutschlands), ernüchternde Einzelgespräche und verherrlichende (staatliche) Internetseiten.
Zum Beispiel die glamourös glänzenden Versuche ausländische Unternehmen zum investieren zu ermutigen. In Mecklenburg-Vorpommern versteht sich. Und da sind sich die Initiatoren der Seite www.invest-in-germany.de für Notlügen nicht zu schade. „Nirgendwo in der Welt ist eine Region so massiv in solch kurzer Zeit komplett modernisiert worden wie dieser Teil Deutschlands.“ Mecklenburg hat auch „Hightech-Kompakt-Werften“ die im weltweiten Ausland „Vorbild komplexer Low-Cost-Produktionsmethoden“ sind. Da kann man doch mal richtig stolz sein. Aber Investoren denken anders, meine Damen und Herren. Die wollen Dynamik, Wachstumsmärkte und zukunftsweisende Technik! Kein Problem für unsere Redakteure von www.investorenportal-mv.de.
Aus einem Wörterbuch für Business-Sprache haben sie alle entscheidenden Fachtermini in einem Satz und damit auf den Punkt gebracht: „Eine Fülle neuester, hoch innovativer Forschungs- und Entwicklungsbetriebe machen Mecklenburg-Vorpommern zu einer der dynamischsten Regionen im Hightech-, Biotech- und Meditech-Bereich. High Quality und Tradition sind das Erfolgsrezept unserer rapide wachsenden Lebensmittelbranche.“ b-paar-am-strand.jpg
Als ob es sie nie gegeben hat, die Arbeitslosigkeit, die Perspektivlosigkeit, das Unvermögen der Politik. Und als Quasi-Paradoxon zu den jüngsten Sparverschlägen im Bildungssektor steht in einer Standortbeschreibung für ein Gewerbegebiet bei Rostock Folgendes geschrieben: „Mit der ältesten Universität Nordeuropas und weiteren innovativen Bildungs- und Forschungseinrichtungen ist die Stadt (Rostock Anm.d.R.) auch geistig- kulturelles Zentrum der Region.“

Bleibt zu hoffen, dass das auch so bleibt! Was hat denn Rostock noch zu bieten? Weltberühmte Ehrenbürger wie Otto Fürst von Bismarck (1895) und Paul von Hindenburg (1933). Wie die zu ihrer Ehrung gekommen sind und ob sie überhaupt davon wussten, ist leider nicht überliefert. Ein Nobelpreisträger (Albrecht Kossel – Erfinder der Nukleinsäure), eine Bundesministerin (Claudia Nolte für Familie, Senioren, Frauen und Jugend von 1994–1998) und das ewige Talent Jan Ullrich sind in der Stadt geboren! Bedeutende Ingenieure haben sich in Rostock aufgehalten. Ernst Heinkel (Erfinder des Düsenantriebs) und August Horch(mein Opa schwärmt immer noch von dem Horch, den er im Krieg gefahren ist) um nur zwei zu nennen. Wenn man also mal genauer hinschaut, gibt’s doch schon ein paar Sachen, auf die man als Rostocker stolz sein kann. Doch wird das spätestens mit dem Abstieg des FC Hansa Rostocks zunehmend schwerer. Für die weggezogenen Söhne und Töchter der Stadt hier noch mal ein Video, das Heimweh zur Küste macht: Kinospot MV – tut gut

Und für all jene, denen dieser Artikel am Arsch vorbei geht, aber trotzdem eine Belohung für ihr Durchhalten fordern, können hier klicken. Ich bedanke mich für die Aufmerksamkeit, Ihr Imperator und das Schattenkabinett

Letzte Aktualisierung ( Mittwoch, 28. September 2005 )