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Nachdem Rattoff seine Fantasie auslebte, begann auch ich, Sachen zu sehen, die vermutlich nicht real existierend waren. Erst sah ich im Lichtgewitter der Leuchtraketen das ein oder andere Schattenspiel, das eindeutig auf eine Armee von Feinden hindeutete, wohl wissend, dass ohne feige Kollaborateure keine gegnerische Armee zu Stande gekommen sein konnte und später war ich mir sehr sicher, einen Heckenschützen ausfindig gemacht zu haben, der zu meiner Verwunderung 40 Minuten ohne Bewegung auskam. Höchst seltsam diese Dunkelheit, dachte ich und wandte mich Flieger Rattoff zu. „Sag mal, ist nicht bald mal Wachwechsel? Wir sind doch schon ewig hier!“
“Ja, wir haben noch 5 Minuten. Kannst schon mal deine Sachen zusammensuchen.“
Diese Antwort habe ich herbeiersehnt. Die Müdigkeit ließ meine Augen brennen und durch die ungemütlichen Temperaturen zitterte ich am ganzen Körper. Mit den Worten „Lass mal zurück, bevor wir noch Russen sehen“ machten wir uns auf den Weg zum Nest.
Der Marsch dorthin war noch am Tage mehrfach einstudiert worden. So sollte man sich die Laufwege merken und „astfrei“ gestalten, was nichts anderes bedeutete, als dass man alle Hindernisse und Äste, die im Weg stehen beziehungsweise Geräusche verursachen konnte, eliminierte. Die geschätzten 30 Meter führten uns über einen kleinen Waldweg. Gerade als wir ihn passierten, blieb Rattoff unvermittelt stehen, sodass ich ihm in die Hacken latschte.
„Wart’ mal, da is irgendwas!“ flüsterte er. „Gleich hier“ und zeigte mit seinem Finger auf den Boden vor uns. Ich starrte auf die Stelle.
„Hm, kann sein. Sieht so aus, als ob da ne türkische Mutti im Sand liegt und stillt“ und konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen, was sowieso Rattoff dank der Dunkelheit nicht gesehen hätte.
„Nee, da is wirklich was! .... Parole!!!“ sagte er ins Nichts.
„Ach Rattoff, da is nix!“ entglitt mir mit genervter Stimme.
„Was redet ihr so laut?“ erwiderte plötzlich eine weitere Stimme, die nicht zu mir oder Rattoff passte. Mein Puls war auf 180. Scheiße, da war wirklich jemand. Und ich seh’ den nicht mal, dachte ich und starrte auf die höchstens 2 Meter entfernte Stelle. In diesem Moment stieg wieder eine der Leuchtraketen in den schwarzen Himmel. Das absteigende Leuchtsignal ließ den Wald Angst einflößende Schatten werfen und wie in einem erstklassigen Kriegsfilm sah ich das Gesicht eines Soldaten, direkt vor mir auf dem Boden, blitzlichtartig auftauchen.
„Herr Gott“ schrak ich zusammen. „Zum Teufel, was machen Sie auf dem Boden, man!“
Die Stimme wartete einige Sekunden und erwiderte: „Für Sie Herr Oberfeldwebel! Und warum haben Sie keine Atemschutzmaske auf! Hier wurde die ganze Zeit Gasalarm angezeigt und ihr beide lauft durch die Gegend wie Friseure! Und dann noch lautstark unterhalten!“
Einige Sekunden herrschte Stille. Unsere Gesichter schimmerten im Signallicht, der Herr Oberfeldwebel sah verärgert aus, Rattoff trug eine versteinerte Mine und ich hatte sicher vor Schreck den Mund offen.
„Äh, Parole, Herr Oberfeldwebel“ sagte Rattoff kleinlaut.
Der Feldweber erwiderte, „was seid ihr denn für Spaßvögel?! DeltaBravo! Und jetzt haut ab. Zurück in Euer Nest!“
Noch immer mit hoch frequenten Puls betraten wir unser Nest. Die Glut schimmerte fast unsichtbar im Erdloch, zwei Kameraden saßen lethargisch drum herum und der Gruppenführer zog sich eine Packung Nato-Kekse garniert mit Nato-Leberwurst aus dem schmackhaften Nato-Frühstückspaket rein.
„Wo kommt ihr denn her?“
„Aus Kampfstand 2, war aber nichts los“, log ich, um dem dummen Unteroffizier nicht unsere Wahnvorstellungen erläutern zu müssen.
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