| Inga und ihr Leben |
| Geschrieben von Imperator | |
| Montag, 19. Mai 2003 | |
|
Es geschah an einem Mittwochabend im Meli-Club. Ein paar Kumpels hatten sich verabredet, um einen arbeitsreichen Tag mit einer gemütlichen Runde Karten abzuschließen. Und wie sie da so saßen und wie sie da so zockten, bemerkten die Vier einen Mann im mittleren Alter und seine Begleiterin, die nicht wirklich jünger aussah. Sichtlich geschafft vom Arbeitstag genossen sie ihre alkoholreichen Getränke. Das alles wäre nicht sonderlich spektakulär, hätten sie sich nicht lautstark über ihr Leben unterhalten. Müde und betrunken saßen sie in ihrer Ecke und es hätte auch wirklich keinen interessiert, aber gerade weil sie so unüberhörbar laut sprachen, bekamen die vier Kartenspieler ungewollt ihre Lebensgeschichte mit. Sie heißt Inga, arbeitet in einem Imbissstand namens ......hahn. Völlig pleite und gebeutelt vom Leben spricht sie über ihre Arbeit. Der Besitzer ist demzufolge ein Sklaventreiber. Selbst sie, die Angestellte Inga, muss alle Getränke und Würste, die sie so über den Tag ißt, bezahlen, zu den gleichen Konditionen wie ihre Kunden. Und da sie überhaupt keinen Cent mehr besitzt, hatte sie an diesem Tage erst eine Stulle zum Frühstück gegessen. Und die war keineswegs dicke belegt. Sie bestellt sich zwei Wiener beim Barmann, sagt zu ihrem Begleiter, dass sie kein Geld habe und ob er so freundlich wäre, ihr Essen zu zahlen. Es ist ja sonst nicht ihre Art, aber sie sei ja so hungrig. Der Mann, gut gekleidet, Fahrer eines Mercedes, zückt sein Geld, dass er als Rechtsanwalt verdient und bezahlt ihre Wiener Würstchen. Nachdem sie mit vollem Mund nochmals über ihren Chef herzog und anschließend Durst bekam, stand der Mann erneut auf und bestellt Getränke. Als er sich wieder setzte, ließ er einen Kommentar ab, den die vier Kartenspieler leider nicht verstanden. Es muss ein Beleidigender gewesen sein, sonst wäre die Dame nicht noch lauter geworden. Er traf sie allem Anschein nach genau in die empfindliche Stelle. Sie begann sich fürchterlich darüber aufzuregen. Nur weil er zehn, zwanzigmal reicher wäre als sie und ihr Gehalt noch nicht auf dem Konto ist, bräuchte er sich nicht so aufspielen, schließlich habe sie ihm damals auch geholfen. Er wisse sicher noch bescheid, nach seiner Trennung, wo sie schließlich angekommen ist obwohl alle über ihn gelacht haben und sie als Einzige Trost gespendet und ihm eine Tischdecke im Werte von 10€ geschenkt habe. Doch der Mann ließ das nicht auf sich sitzen. Er habe ihr immer nur gutes getan, habe ihr mal einen Jeanspullover geschenkt und dazu die passenden Schuhe und er lädt sie sowieso ständig auf irgendwas ein. Inga schaute Ralf böse an, so heißt er wohl, warf ihm vor, dass er das alles nur mit schmutzigen Hintergedanken tun würde und sie auf diesen Scheiß nicht länger hereinfallen würde. Doch der Abend war schließlich noch lang und sie hatte doch heute so schwer gearbeitet und daher ein furchtbar trockenen Mund. Vielleicht könnte er noch einmal das ein oder andere Getränk bestellen, selbstverständlich zahle sie ihm das bei Gelegenheit wieder. Das versteht sich ja von selbst. Sichtlich betrunken und völlig pleite, gerät Inga schließlich ins träumen. Sie habe ja, wie vorhin schon kurz erläutert, einen gewaltigen Hals auf ihren Chef und will deshalb mit aller Gewalt aus ihrem Arbeitsverhältnis aussteigen. Auf die Frage, wie sie denn dann ihren Lebensunterhalt verdienen möchte, kontert sie mit einem ausgeklügelten Plan. Eine Freundin von ihr hätte damit richtig, "ich meine so RICHTIG" Geld gemacht. Und das tolle an ihrem Plan ist, dass er so verdammt einfach ist. Der Plan zum Reichtum: Da sie so überaus kontaktfreudig ist, dass müsste Ralf ja am Besten wissen, habe sie sich gedacht, auf der Kröpi Lose für eine ominöse Lotterie zu verkaufen. Sie verdiene pro verkauftem Lose sage und schreibe 50 Eurocent, sagt jedenfalls ihre Freundin. Und jetzt gerät sie lustig ins Rechnen. Die Rechnung: "Wenn ich pro Stunde 100 Lose verkaufe und an jedem verkauftem Los, was übrigens 3,- Euro kostet, 50 Cent für sich einstecken könnte, dann wären das bei 7 Stunden Arbeit ein Lohn von 350,- Euro pro Tag. Hoh, was ich mir alles kaufen könnte. Und ich bräuchte nie mehr von dir schlauchen müssen. Das wäre doch toll..!" Die Entrüstung: Ralf, der Anwalt, musste ihr schweren Herzens die Hoffnung nehmen, dass man 700 Lose am Tag verkaufen könne, da könnte sie noch so freundlich und kontaktfreudig sein. Die Menschen sind nun mal misstrauisch. Und außerdem kenne sie doch nicht einmal die Lotterie und die Haftungsbestimmungen. Sie solle grundsätzlich davon Abstand nehmen und lieber etwas Handfestes machen. Vielleicht einen eigenen Imbissstand eröffnen. Das hätte auf jeden Fall mehr Perspektive… Die vier Kartenspieler konnten nur Zeugen werden, wenn eine Idee zerplatzt und ein Herz gebrochen wurde. So spannend ihre Auseinandersetzungen auch waren, die Geschichte von der vom Leben gebeutelten Inga wird ihnen nicht so schnell aus dem Kopfe gehen, dafür sorgt ihr Gewissen. Ihr Gewissen, aus ihren Leben etwas Besseres zu machen als die Inga… Imp. Vorheriger Beitragin memory of.... Nächster Beitrag: Der Imperator und die Familie |
|
| Letzte Aktualisierung ( Montag, 22. August 2005 ) |
