Mein Praktikum und das Schlafen
Geschrieben von Imperator   
Montag, 8. Juli 2002

Ist Lebensabschnitt in meinem Leben beendet, da stürtzt man schon in den Nächsten. Nachdem ich die Bundeswehr halbwegs unbeschadet überstanden habe, liegt das nächste Ziel vor Augen: Studium!
Doch was dazwischen?
Urlaub, Party, Arbeitslosengeld so meinen die Meisten.
Aber nicht bei mir. Exklusives Studium = Vorpraktikum.
Zu wirtschaftlich schwierigen Zeiten kann es ein Problem sein, ein bezahlten und interessanten Job zu finden. Da ich das rechtzeitige bewerben verpaßte, mußte ich nehmen was kommt. Und es kam die Werft!
6 Wochen unbezahlt schinden lassen, dachte ich, aber es kam noch schlimmer. Statt arbeiten langweilen; statt lernen verdummen; statt reich arm werden. Und das in der unbeschwertesten Zeit meines Lebens...
Die erste Hälfte nannte man mich Vermesser. An sich kein verkehrter Job. Mit eigenen Arbeitsklamotten, eigenem Büro + Schlüssel, einem Radio und vor allem vielen Pausen ließ es sich aushalten.
Meßlatte halten und Geräte dem Chef hinter her tragen ist nicht unbedingt anspruchsvoll und unterhaltsam, aber die Zeit vergeht.

Doch die vielen Pausen animierten mich zum schlafen, denn schlafen ist gesund! Leichter gesagt als getan.
Das Problem: Mein Büro war nicht unbedingt günstig gelegen. Direkt in der Werfthalle im ersten Stockwerk. Anfangs noch das Eldorado der Schlafsucht, doch die Betriebsamkeit der Werftarbeiter sollten mir auch diesen Spaß nehmen. Es dauerte nicht lange, da glotzte die erste Werftvisage in mein gemütliches Büro und ertappte mich beim schlummern. Nun starrten sie unaufhörlich durch das Fenster.
Aus mit Schlafen, aber auch vorbei die Zeit des Gammelns. Das schlecht Gewissen trieb mich zum Handeln.
Es gab nur einen Ausweg aus der Misere: Tarnen und Tauschen im Gelände! Da machen sich die Erfahrungen bei der Bundeswehr bezahlt. Wer hätte das gedacht...

Das Handbuch für den "gestreßten" Geschäftsmann: (Tipps und Tricks zum erfolgreichen Schlafen!) 1. Die Körperhaltung: sie sollte eher an Arbeiten als an Schlafen erinnern. Aufrecht und gespannt.
2. Das Umfeld: Wo lauern Gefahren, wo kann ich eventuelle Sichtschutze installieren, wo ist der beste Platz im Raum.
3. Ermitteln der personengebundenen Gegebenheiten: Man unterscheidet in zwei Gruppierungen. Zum einen der leicht- und zum anderen den tiefschlafenden Typus. Der letzter hat konkrete Vorbereiungen zu treffen.
Er sollte darauf achten, eine aufrechtere Sitzposition einzunehmen, da man eventuelle Gäste zu spät hören oder sehen könnte. Hier ist es von großer Bedeutung, daß der Feind nicht auf den ersten Blick Verdacht schöpft.
Unterlagen oder Bücher als Alibi dienen zur Täuschung und lenken so von den verschlafenen Augen ab.
4. Sichtschutz. Dieser sollte nicht allzu auffällig gebaut werden. Gegenstände, die im täglichen Gebrauch "unvorteilhaft" liegen geblieben sind, eignen sich besonders gut. Als Beispiel: offene Schranktüren, Aktenberge, Monitore, zum Eingen blendende Scheinwerfer. Dies alles kann sich der Leichtschläfer sparen.
Er benötigt einzig und alleine ein ausgeklügeltes aber dennoch unauffälliges Frühwarnsystem. In meinem Falle präparierte ich ein Gitterrost, sodaß bei Auftritt ein heller und lauter Ton erfolgt und mich zum aufwachen animierte.
Ebenso geeignet sind quietschende Eingangstüren oder Sekretärinnen. Eine einfache Variante ist zum beispiel durch Luftzug ausgelöstes Türknallen oder Fensterklappen. Effektiv, preisgünstig und unauffällig.

Wer all diese Tipps geschickt anwendet, der hat einen Freifahrtsschein in sämtliche Traumwelten.

Viel Erfolg wünscht Euch der gelangweilte Praktikant.

Imperator