Meine 3 Blinddates, ohne die Dates
Geschrieben von Jule   
Sonntag, 21. Januar 2007

Part 1 / die Internet-Kontaktanzeige

Es ist ja nicht wirklich ein Geheimnis, dass ich ein Geek bin, daher war es wohl höchste Zeit, dass ich auch endlich mal den nächsten Schritt wage und eine Kontaktanzeige ins Netz stelle. Allerdings mit der Auflage, dass weder Sex noch Beziehung gesucht wird, sondern ein paar adequate Indie-pals, die in Cardiff nämlich überall auf der Strasse rumlaufen, sich aber sofort verängstig und scheu in ein paar Geschäften verstecken, wenn man sich ihnen nähert. Nachdem ich also ca. ein dutzend Mal erwähnt hatte, dass ich jemanden für Indie-Konzerte und Clubs suchte, und Sex außer Frage sei, stellte ich die Anzeige ins Netz und wartete. Na gut, ich ging ins Bett und schlief, aber vielleicht wartete ich ja in meinen Träumen und hab es dann am nächsten Tag vergessen.

Am nächsten Morgen waren dann auch schon die üblichen Antworten in meinem Mail-Account:

- Hallo, ich höre kein Indie, ich möchte dich aber dennoch kennen lernen (hätten diejenigen das auch geschrieben, wenn ich jemanden zum Eisangeln gesucht hätte?)

- Hallo, ich bin 33 (bitte, mein Freundeskreis ist im Durchschnitt etwas älter als ich, aber man muss es ja auch nicht übertreiben)

- Hallo, ich möchte dein Freund sein und ich werde dich gut behandeln (bin ich die Einzige, die dabei eine Gänsehaut kriegt und nachprüft, ob Fenster und Tür fest verschlossen sind?)

Na gut, damit war zu rechnen, immerhin ist das Internet und besonders die Kontaktanzeigen ein Portal für alle Perversen, Psychos und Serienkiller. Die Überraschung war dann jedoch, dass sich doch noch eins, zwei Leute einfanden, die ganz Ok waren und mir nicht kalt den Rücken runterliefen. Alistair (ja, so heißt er), 26, Computer- und Musiknerd war einer davon und wir verabredeten uns kurzum zu Sonntag in einem öffentlichen und gut besuchten Cafe, nur für den Fall, dass er doch ein Serienkiller sein sollte.

 

Part 3/ das Tandem-Ding

In der Eurpean School of Studies gibt es so ein Projekt, das nennt sich Tandem-Partner. Da finden sich deutsche Erasmus-Studenten und britische Deutsch-Studenten zusammen und helfen sich gegenseitig, treffen sich und unterhalten sich gemixt.

Mein erster Tandempartner war ein 18-jähriger, den ich am Anfang ganz süß fand (er ist 18, ich hätte mich also nicht strafbar gemacht), später aber nur noch nervig und den ich abgesehen von den regelmässigen "Stammtisch-Treffen" (wo sich Deutsche und Briten wöchentlich in einem Pub treffen und über Borat reden - oder so ähnlich) nur einmal getroffen habe.

Also schien es höchste Eisenbahn, mir einen neuen, besseren, älteren Tandempartner zu suchen und so ging ich zur halbverschmierten Liste, schrieb mir einen Namen raus und schickte ihm eine Mail.

Teil 2:

Jon hatte bereits ein Semester in Deutschland verbracht und war gerade auf dem Weg nach Berlin, aber würde sich gerne mit mir treffen, wenn er wiederkäme. Nett, das er auch gleich erwähnte, dass man sich gewöhnlich einmal die Woche, oder auch öfter traf, je nachdem wie nett/kacke man sich fand. So wüsste ich dann sofort, was Sache sei, wenn er das nächste Mal keine Zeit hätte, weil er sich die Haare waschen müsste.

Nichtsdestotrotz: Montag, in der Unicafete.

Part 2 / noch eine Internet-Kontaktanzeige

Was macht man, wenn man ein Forum für Kontaktanzeigen gefunden hat und selbst eine aufgesetzt hat, danach aber noch etwas zu hibbelig ist, um schlafen zu gehen? Genau, man guckt sich die anderen Anzeigen an und lässt sich berauschen, von Typen mit Narben, die auf harte Frauen stehen, 40-jährigen Deutschen, die nach 18-jährigen suchen (na toll, da finden sich schon Deutsche in britischen Foren und dann sind das Pädophile) und diversen Leuten, die neben ihrer Beziehung auch gern mal wieder Sex haben wollen.

Allerdings gibt es unter dieser Masse an amüsanten/verstörenden Anzeigen tatsächlich auch 2%, die nett und aufrichtig klingen.

Darunter ein Indietyp, der nach einem gleichgesinnten Mädel sucht.

Und wer hätte es gedacht, nachdem ich eine endlos lange Mail geschrieben hatte, in der ich erklärte, ich suche zwar nur etwas Platonisches, wäre aber dennoch froh, wenn er antworten würde, weil es so schwer ist in Cardiff Indieleute kennen zu lernen (sprich, ich klang so richtig verzweifelt) bekam ich bereits einen Tag darauf eine Antwort: Kaching!

Bill, 26, schreibt für eine Musikhomepage, mag Lynch, Kubrick und "the beauty of a spotless mind" und hört vor allem Indieklassiker. Kaching, Kaching!

Nach einigen seinerseits wortkargen, meinerseits geschwätzigen Mails hatten wir dann auch die obligatorischen Fotos ausgetauscht (synchroner O-Ton: ich seh aber jetzt anders aus) und waren beiderseits nicht vollkommen davon abgeschreckt.

Treffen am Dienstag in einem Cafe in einer von Cardiffs zwei Millionen Arcades.

Mein Hattrick war damit vollständig

Und nächste Woche:

Entpuppt sich doch noch einer als gnadenloser Killer und verschleppt Jule in ein Hostel? Wird soviel Kaffee zuviel für Jules Herz? Wird sie vielleicht sogar einen coolen Indiekumpel unter den drei Kandidaten finden und wer ist nun ihr Herzblatt? Alistair, der sich am besten in Lautschrift vorstellen sollte und als Computergeek tätig ist, oder Bill, der bis jetzt nach einem endcoolen Typen klingt, aber vielleicht auch ein 40-jähriger, übergewichtiger Betrüger ist, der nur an Jules Indieunterwäsche will, oder doch Jon, der sogar Jules deutsches Rumgefluche verstehen kann? Nun Jule, wie wirst du dich entscheiden?


Letzte Aktualisierung ( Samstag, 20. Januar 2007 )