MFG in die Hölle und das auf Englisch, bitte
Geschrieben von Jule   
Mittwoch, 10. Januar 2007

Es ist wohl kein Geheimnis, dass alle Weltreisende dieser Welt einen leichten Hang zum Masochistischen haben, zumindest, wenn sie nicht zu den Privatjet-Besitzern und Erste-Klasse-Reisenden gehören. Also, demnach so gut wie jeder. Denn Reisen ist scheiße. Ehrlich.

Ähnlich wie mein Kollege Herr Imperator freute ich mich auch eher bescheiden auf meine Heimreise vom verregneten Rostock zurück zum verregneten Cardiff. Kein Wunder, 6 verschiedene Reisevehikel und drei Bestimmungsorte machen nur Lust, wenn man Lara Croft heißt und Tomb Raider spielt.

Rostock, die Reise geht los

1. Vorher lecker Mittagessen bei Oma, hm, Klopse und Kartoffelpü, hab aber keinen Hunger, verdammt.

2. Kurz vor der Abfahrt nach Berlin noch einmal alles Nötige (Brieftasche, Bankunterlagen und dänische Lakritze) vergessen. Bis auf die Lakritzbonbons alles wieder gefunden.

3. Umleitung durch romantisch-gruseliges Hillbilly-Gelände, frage mich, wann der Stacheldraht auf der Straße unseren zukünftigen und grausamen Tod ankündigt. Ärger mich, dass ich meinen Teller bei Oma nicht leer gegessen habe.

Berlin, Radio Fritz spielt jetzt auch Puff Diddy-Buh

1. Ca 3-4 Stunden früher da. Ich grinse meinen Papa entschuldigend an.

2. Treffe Erasmus-Kollegen und wir beschließen, den Höllentrip gemeinsam zu meistern.

3. Burger King am Flughafen ist nicht zum Sitzen, außer man sitzt gerne auf rutschigen Bettwürsten. Sind schon total geschafft, scheiße nur, dass es noch nicht einmal los gegangen ist.

4. Dreistes Pärchen drängelt sich ständig vor, mir kommen wehmütige Erinnerungen an meine Heimatuni Rostock und die Einschreibungen.

5. Stelle wieder einmal fest, dass (Billig)Flugzeugsitze genauso ergonomisch schädigend sind, wie Unisitzreihen. Die Wehmut bleibt.

6. Beobachte, wie ein genervter Easyjet-Mitarbeiter die Gepäckstücke auf das Laufband schmeißt, bin froh, dass ich das Meißner Porzellan doch zuhause gelassen habe.

Bristol, willkommen bei den alten Leuten

1. Bekomme ein Busticket geschenkt und denke schon fast, dass heute alles gut läuft (oh, wie törchicht war ich)

2. Kommen am Bristol Hauptbahnhof an, um zu erfahren, dass dort an einem Wochentag keine Züge mehr nach 23 Uhr fahren. Gehen Leute aus Bristol wirklich um 21Uhr ins Bett?

3. Zahle freudestrahlend (Vorsicht, Sarkasmus) 20 Pfund für den Taxifahrer, der uns auch noch blöd vollquatscht. Wir würgen ihn ab, indem wir uns auf Deutsch weiter unterhalten.

4. Anderer Bahnhof in Bristol, der unmittelbar den Preis für Es-mag-aussehen-wie-ein-Theater-ist-aber-ein-Bahnhofsgebäude (kurzum, er sieht schwul aus) erhält.

5. Eine halbe Stunde in der Kälte warten. Frage mich, warum man nie im Sommer auf einem Bahnhof festsitzt.

Cardiff, ein (vorübergehende-)Heimatlied

1. Kumpel vergisst beinahe seinen leicht zu übersehenden 20Kilo Koffer. Wir schleppen uns an den Taxis vorbei, wissen aber, dass wir nicht weit kommen werden. Verfluchen auf dem Weg alle Leute ohne Gepäck und Koffeinentzug.

2. Taxi zum Wohnheim, weitere 6 Pfund in den Rachen des Kapitalismus werfen. Denke veträumt an billige minderjährige Rikschafahrer. Als wir aussteigen fängt es an zu regnen, ich lache dem Himmel angriffslustig entgegen, als wenn ich es nicht erwartet hätte.

3. Ankommen, auspacken, Internet installieren, Hörbuch, schlafen, höre eine leise Stimme, bevor ich wegdrifte: Willkommen in Cardiff Jule

Antworte knurrend: Jaja, ihr mich auch


Letzte Aktualisierung ( Dienstag, 16. Januar 2007 )