Musterbrief für Totalverweigerer
Geschrieben von schämt sich...   
Samstag, 2. November 2002


Dies ist das Antwortschreiben eines angehenden Kriegsdienstverweigerers, dessen Erstantrag abgelehnt wurde. Die Wut und auch die Verzweifelung ist nicht zu übersehen...


Bundesamt für den Zivildienst
xxxxxx Köln

Xxxxx Xxxxx
xxxxxxxxxxxx
18xxx Rostock






Betreff: Vervollständigung der Unterlagen zur Anerkennung als Kriegsdienstverweigerer;
Antwortschreiben


Sehr geehrte Frau Xxxx,
bezug nehmend auf Ihr Schreiben vom 1.2.2000 möchte ich Ihnen nun einerseits die, um Ihrem hohen Anspruch zu genügen, geforderten Ergänzungen senden und hiermit andererseits meinen Unmut, resultierend aus Ihrer für mich nicht nachvollziehbaren Entscheidung der Aufschiebung aufgrund einer angeblich nicht expliziten Darlegung meiner Beweggründe, kundtun. So bedaure ich es sehr, daß Ihrer Nachforderung keine konkreten Ansatzpunkte der Unklarheiten oder Unvollständigkeiten beiliegen. Ungeachtet dessen werde ich nun versuchen meine Beweggründe für die Gewissensentscheidung, als Ergänzung gesehen, vollständig darzulegen und bitte Sie nur noch, meinen Antrag schnell zu bearbeiten.

Ich weigere mich mit allem Nachdruck, unter Berufung auf Artikel 4 Absatz 3 des Grundgesetzes, meinen Kriegsdienst mit der Waffe abzuleisten. Statt dessen beanspruche ich das Recht des Ersatzdienstes( Artikel 12a Absatz 2 des Grundgesetzes).

Ich sehe mich aus Gewissensgründen nicht in der Lage, meiner Wehrpflicht in Form des Kriegsdienstes nachzukommen und lehne also den Dienst an der Waffe rigoros ab.
Grund hierfür ist meine Meinung, daß ich als humanistisch und pazifistisch erzogener Mensch es weder akzeptieren, noch für mich tolerieren kann, eine Waffe auf einen Menschen zu richten. Bedroht man einen Menschen und setzt ihn mit Waffengewalt unter Druck, mit dem Ziel seine Hörigkeit zu erzwingen, so ist dies eine klare Handlung wider menschlicher Würde und Respekt. Eine derartige Handlung würde mich zweifellos in tiefe Gewissenskonflikte stürzen, da ich zu Prinzipientreue seit meiner Kindheit angehalten wurde und die Verwirklichung meiner eigenen Ideale und Moralvorstellungen oberster Garant für ein Leben ohne Selbstzweifel und Selbstvorwürfe sind.
Ich bin der Ansicht das ein solcherart repressives Verhalten moralisch und ethisch nicht vertretbar ist, auch aus dem Grund heraus, daß Opfer dieser Handlungen nachweislich auch noch Jahre später an den psychologischen Langzeitfolgen zu leiden haben.
Traurigerweise sind noch nicht einmal die Aggressoren selbst( sprich Soldaten) gegen diese drastischen lebenseinschneidenden und Lebensqualität einschränkenden Folgekrankheiten, einer Kriegssituation oder gar Auseinandersetzung mit Waffengewalt, gefeit.
Dokumentiert wurde dies in zahlreichen Fällen nach dem Korea-, dem Vietnam- und dem Golfkrieg bei der angeblich am besten ausgebildeten Armee der Welt- der US- Army.

Die Vorstellung einen Menschen zu verletzen ist für mich widerwärtig.
Die Realisierung undenkbar.
Das Wunder des Lebens ist durch seine zufällige Entstehung und Evolution der zweifellos größte und unermeßlichste Schatz. Leben zu beenden, einzuschränken oder zu unterdrücken widerspricht allem: an was ich glaube, was mich prägte, was ich bin.
Es ist das größte Verbrechen des menschlichen Geistes nicht aus Hunger und Selbsterhaltungstrieb zu töten und zu verletzen, sondern aus niederen Machtinteressen.
Dagegen wehre ich mich mit allem Nachdruck.




Xxxxx Xxxx
Letzte Aktualisierung ( Montag, 7. November 2005 )