Studio generale: "Arafats Millionen"
Geschrieben von Imperator   
Donnerstag, 13. Januar 2005
studio_generale.jpg
Persönlichkeiten thematisieren:
KulturbandeJean Claude Maron (36) 
 mikrofon.jpg
Im Gespräch der langjährige Geliebte von Frau Arafat, John Claude Maron. In Paris geboren. 36 Jahre alt. Nach Studium der Künste an der ruhmreichen Universität de Francè folgte der Schritt in die Selbstständigkeit.
Heute erfolgreicher Modedesigner für Damenunterwäsche.
Bonjour Mr. Maron
Ihr Geschäft läuft gut, nehme ich an. Aber ist das Kreieren von eleganten Damendessous nicht eher etwas für Frauen?

 
Bonjour!

Oh ja, ich kann nicht klagen. Der Markt für erotische Frauenunterwäsche expandiert kontinuierlich. So langsam kehrt die Kunst der Verführung und Erotik in die Schlafzimmer zurück. Wir in Frankreich hatten ja damit nie ein wirkliches Problem. Aber gerade bei ihnen in Deutschland war dieses Thema ja immer etwas nebensächlich. Doch mich erfreut, dass nun auch die Deutschen ihren Sinn für „Das Schöne darunter“ entdeckt haben.
Die Einkleidung des schönen Geschlechts ist meiner Meinung nach auf jeden Fall etwas für Männer. Denn nur wir wissen doch, was die Frauen wirklich wollen. Und schließlich soll es ja auch dem Mann gefallen. Diese meine Einstellung wird gerade hier in Frankreich nicht immer wohlwollend aufgenommen. Doch ich habe mir nichts vorzuwerfen, denn meine sexuellen Vorlieben dürfen als sehr weit gefächert bezeichnet werden. Auch wenn man der homoerotischen Liebe frönt, so ist es doch erwiesen, dass der grazile Körper einer Frau, gekleidet in Satin und Seide, ein Hochgenuss für das Auge ist.
Da gebe ich ihnen Recht, der Deutsche spricht dies allerdings nicht aus, wo hingegen der Franzose ständig darüber redet. Olala…Amelie…, sie verstehen.

Waren es eigentlich ihre Modeschöpfungen, die die Damenwelt magisch zu Ihnen zog? Denn Sie sollen laut Presse nicht wenige Frauenherzen gebrochen und etliche Beziehungskrisen ausgelöst haben.

Ich habe in meinem Leben viele, wirklich viele Frauen kennen gelernt. Und auch oder vielleicht gerade deswegen darf ich behaupten, dass die französische Frau der deutschen in punkto Erotik doch den ein oder anderen Vorteil hat. Ich spreche hier insbesondere von Sinnlichkeit und Ästhetik. Vielleicht darf ich sie noch einmal daran erinnern, dass es viele deutsche Frauen auch heute nicht für nötig halten, sich die Achseln zu rasieren; von anderen Körperteilen gar nicht zu sprechen.
Sie haben natürlich auch Recht, wenn sie behaupten, dass in meiner Vita eine lange Liste von Tet-a-Tets auftaucht. Doch Charme, Intelligenz und eine gewisse Größe gewisser Körperteile haben schon immer ihre Wirkung auf das zarte Geschlecht gehabt. Dies allerdings in Verbindung mit meinem geschäftlichen Erfolg zu bringen halte ich doch eher für eine Verleumdung meiner schöpferischen Tätigkeit. Ich habe noch nie Vorteile aus meiner Liebestätigkeit gezogen; vor allem keine finanziellen. Zumindest kann ich mich nicht daran erinnern
.
Sie waren der langjährige Liebhaber der Ehefrau Jassir Arafats. In Frankreich eher kein Problem eine Affäre mit älteren Frauen zu unterhalten, in Deutschland hingegen schon. Schließlich ist Suha Arafat knapp 21 Jahre älter. Was ist anders im Vergleich zu gleichaltrigen oder gar jüngeren Partnern?
Merde! Es gibt bei uns ein Sprichwort, welches besagt „Auf alten Geigen lernt man spielen.“ Natürlich möchte ich meine Partnerinnen und Partner nicht als „alte Geigen“ diffamieren, jedoch trifft der Ausspruch den Kern der Sache. Man kann soviel von erfahrenen Menschen lernen. Ich möchte fast behaupten, dass einen Großteil meines Liebes-Repertoires, meines Umgangs mit anderen Menschen und auch meiner Lebenseinstellung von älteren Menschen gelernt habe. Die waren für mich auch eine Art Inspiration, sie befruchteten meine Kreativität. Was soll ich denn mit so jungen, wie sagt man…Küken. Bei denen ist zwar noch alles straff, allerdings fehlt einem völlig die Fruchtbarkeit in den Gesprächen. Und ich bin ein sehr kommunikationsbedürftiger Mensch.


Wie haben sie sich eigentlich kennen gelernt? Ich stelle mir das unglaublich schwierig vor, die Ehefrau des Palästinenserführers Jassir Arafat nahe zu kommen.
Es war ein verregneter Tag in Paris. Ich war am Vormittag im Louvre und wollte nun etwas Essen. Als ich gerade über die Strasse ging, näherte von links eine schwarze Limousine, deren Fahrer mich wohl übersehen hatte. Der Aufprall war dumpf und ich rollte über die Motorhaube. Genau in diesem Moment fuhr der Wagen von Frau Arafat auf den Unfallverursacher auf. Schlussendlich saßen wir zusammen in einem Krankenwagen. Ich werde nie diese dunklen Augen vergessen. Es war, auch wenn man mir das sicher kaum abnimmt, Liebe auf den ersten Blick. Schon zwei Tage später vergnügten wir uns in meiner Pariser Zweitwohnung. Das Ganze geheim zu halten war übrigens kein Problem; die Leibwächter sind äußerst diskret und loyal. Übrigens rammte die Limousine, nachdem sie mich erfasst hatte, noch einen Kinderwagen. Später erfuhr ich, dass der kleine Junge nicht soviel Glück hatte und noch am Unfallort verstarb. So mussten wir schon am Anfang unserer Liebe ein großes Opfer bringen.
Dann stand ihre Liebe zu Suha Arafat unter keinem guten Stern. Warum hat sie dennoch jahrelang gehalten?




Zum einen hatten wir eine, wie soll ich sagen, gesunde sexuelle Grundlage, auf der sich, wie langjährige Liebhaber wissen, gut aufbauen lässt. Gerade in den ersten Monaten – ich muss an dieser Stelle einmal den Gentleman der Linguistik zurückstellen – vögelten wir uns durch die verschiedensten Anwesen; ihre, meine und die von Freunden.
Zum anderen sahen wir uns nicht regelmäßig, was ebenfalls ein relativ guter Garant für langjährige Beziehungen ist. Denn in der gemeinsamen Zeit hat man sich vielmehr zu erzählen.
Ein weiterer Punkt waren sicher unsere verschiedenen Interessen, denn während ich den ganzen Tag mit Mode und schönen Frauen beschäftigt war, spielte sie lieber mit ihren Katzen oder ihrer elektrischen Eisenbahn. Ja, da staunen Sie jetzt sicher, aber es ist die Wahrheit.
Schlussendlich konnte unsere Liebe aber auch durch unsere gemeinsame Vorliebe für Wodka und anderen Drogen bestehen, denn oft genug waren wir einfach nur sturzbetrunken oder auf Trips, in Folge dessen wir mögliche Streitereien einfach vergaßen.
Sie erwähnten eben lange Gespräche, wenn neben ihren gemeinsamen Vergnüglichkeiten dazu überhaupt noch Zeit war. Sprach Suha manchmal mit Ihnen über ihren Mann Jassir? Schließlich waren die beiden rechtsgültig verheiratet, hatten sich allerdings fünf Jahre nicht gesehen. Erst wieder im Militärkrankenhaus Paris.
Das ist natürlich eine sehr tragische Geschichte. Ich habe mich aus dieser Sache so gut wie möglich heraus gehalten. Doch ich verrate hier sicher auch kein Geheimnis, wenn ich sage, dass die Liebe zwischen Jassir und Suha schon lange erkaltet war. Er war viel zu sehr mit dem Regieren – wenn man das so nennen kann – beschäftigt. Die einzige Verbindung zwischen den beiden war ein Dokument. Sie hatte einfach keine Lust in einem Land zu leben, in dem man jeden Tag aufs Neue um seine Gesundheit fürchten muss. Außerdem störte sie seine einfache Lebensart. Ich glaube wir haben in all der Zeit nur ein- oder zweimal über ihn gesprochen. Dabei ging es dann aber um Geld.




Und von dem hatte er ja bekanntlich genügend. Jassir Arafat war Multimillionär. Können sie mir erklären, wie ein Präsident einer der ärmsten Völker der Welt so viel Geld anhäufen konnte?
Sie hat es mir nie verraten. Und über Tote spricht man nicht schlecht, doch auch ich habe meine Theorien. Aber die werde ich ihnen mit Sicherheit nicht verraten. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass unser Gespräch abgleitet. Ist dem so?
Nur soviel: Herr Arafat war natürlich nicht nur Präsident der Palästinenser, sondern auch ein Geschäftsmann. Im Endeffekt zählt doch nur, dass das Geld da war.




Aber es werden immer wieder Gerüchte laut, Herr Arafat hätte Geld von der EU, bestimmt für die Palästinenser, umgeleitet und für private Zwecke missbraucht. Unter anderem für seine Frau, der Sie zugegebenermaßen sehr nahe standen…
Zugegebenermaßen! Doch auch Sie müssen zugeben, dass ein kleines Licht der Modewelt, als welches ich mich gern sehe, nichts mit den finanziellen Gebaren des Ehemannes seiner Geliebten am, wie sagt ihr Deutschen…am Hut hat. Genau. Glauben Sie ich habe etwas mit EU-Geldern am Hut? Wollen Sie mich überschätzen oder diffamieren oder beides? Wenn ich nicht sofort einen Piccolo und eine Gauloises bekomme, werde ich hier überhaupt nichts mehr sagen. In meinem Kopf sind Spitzen, Tangas und schöne Frauen. Was weiß ich, woher die ihr Geld haben. Und selbst wenn, darf denn ein Mann seiner Frau keine Geschenke machen? Das Geld wäre doch sonst sicher für Bemühungen ausgegeben worden, die sowieso nicht zum Ziele führen. Oder wann haben Sie das letzte Mal etwas von Frieden in Palästina gehört?












Die Gauloises können sie gleich haben, aber das mit dem Piccolo wird schwierig. Ich wollte Sie in keinster Weise angreifen Herr Maron, nur kann ich nicht ganz glauben, dass Sie nichts über die Geschäfte der Arafats gewusst haben. Sie sind doch ein intelligenter Mann, Herr Maron. Auch ihre Firma könnte frisches Geld gebrauchen. Der Liquidität wegen. Sie verstehen sicher, worauf ich hinaus will…
Sicher haben Sie als Deutscher in Bezug auf Liquidität etwas konservative, wenn nicht sogar ordinäre Vorstellungen, wie alle Deutschen in Bezug auf viele Dinge konservative Vorstellungen haben. Meine Firma schwimmt wirklich nicht im Geld. Doch daraus zu schließen, dass ich mich an dem Geld des Herrn Arafat labe…das ist ja unerhört. Vielleicht behaupten Sie auch noch, dass ich nur aus diesem Grund mit Suha zusammen bin!
Da wären Sie allerdings auch nicht der Erste; das muss ich zugeben. Aber um einmal wieder etwas Ruhe in den wogenden Sturm unseres Gesprächs zu bringen: Ich versichere Ihnen, dass an den Behauptungen nichts dran ist.









Dann will ich es dabei belassen und hoffe, dass wirklich nichts an den Gerüchten dran ist, Herr Maron.

Sie haben gerade die konservative Denkweise der Deutschen angesprochen. Sind Sie denn schon des Öfteren auf verklemmte Sturköpfe aus der Bundesrepublik gestoßen. Nicht nur geschäftlich, meine ich?

In rein geschäftlichen Dingen ist eine gewisse Konservativität manchmal sicher ganz angebracht. Aber sexuell und kulturell schätze ich besonders mein Heimatland. So ist es in Deutschland fast unmöglich, ausgefallene Kreationen an die großen Modehäuser zu verkaufen. Vor wem haben die denn Angst? Vor ihrer verklemmten Rentnerkundschaft! Ich weiß es nicht. Viel schlimmer sind jedoch die Groupies auf den Modeschauen. Natürlich landete auch die ein oder andere deutsche Dame in meinen, äh Laken? Ja genau, Laken. Doch außer der Missionarsstellung kannten die wohl nichts. Ich hatte teilweise Angst, wegen Vergewaltigung verklagt zu werden. Dieser Aussage bescheinige ich allerdings höchste Subjektivität. Aber Sie haben ja auch mich gefragt. Konservativ ist vielleicht auch das falsche Wort. Mir fällt das passende Wort auf Deutsch nicht ein…









Mir ebenfalls nicht. Ich bin Deutsch-Tscheche.
Reden wir lieber über Frankreich.
Wie konnten die Franzosen um alles in der Welt einen solchen Nationalstolz entwickeln? Das fragen sich häufig Deutsche. Schließlich wurde ihr Volk zweimal kriegerisch „überrannt“, hatte die Blütezeit ihrer Kultur Anfang des 20. Jahrhunderts und steckt heute in ebenso lähmenden Schwierigkeiten wie die Bundesrepublik…

Sie haben die erste Frage teilweise bereits selbst beantwortet. Frankreich wurde überrannt und überrannte nicht. Hätten wir in jüngerer Zeit zwei Kriege verschuldet, dann würde sich die Situation auch etwas anders darstellen. Des Weiteren war Frankreich im Gegensatz zu Deutschland eine große Kolonialmacht, sprich die Franzosen konnten ihre Selbstverehrung in vielen Ländern praktizieren und pflegen. Und schlussendlich haben wir auch viele Dinge, auf die man wirklich stolz sein kann: eine schöne Sprache, eine noch schönere Flagge, eine ultimativ schöne Nationalhymne, den besten Wein, die besten Weiber, wir erfanden das Baguette und gaben den Pommes Frites ihren richtigen Namen.












Erlauben Sie mir abschließend noch eine Frage:
Die Initiation der gelebten Europäischen Integration ist vor allem der Verdienst Deutscher und Französischer Staatsoberhäupter. Wahre Deutsch-Französische Verbrüderung oder nur ein nüchterner Passus im Ellysee-Vertrag?


Ich sehe das Ganze als Affront gegen die Weltherrschaftsphantasien der Amerikaner. Diese Meinung darf ich nur mit Bedacht äußern, doch Sie waren ein fairer Gesprächspartner und so lehne ich mich etwas aus dem Fenster. Ansonsten hoffe ich, dass der europäische Binnenmarkt der Verbreitung meiner Wäsche dienlich ist. Bei all der Politik sollte man auch seine geschäftlichen Interessen nicht verhehlen.
Doch um auf Ihre Frage zurückzukommen: Unabhängig von diversen Geschmacklosigkeiten der Deutschen ist es an der Zeit, das die beiden größten europäischen Staaten Seite an Seite marschieren. Hier fade Bürokratie zu unterstellen liegt mir fern. Manchmal darf die Romantik einfach nicht zu kurz kommen!









Vielen Dank für dieses Exklusiv-Interview, Herr Maron. Ich wünsche ihnen viel Erfolg in der Liebe und im Geschäft.

Sie meine Damen und Herren finden im Anschluss eine kurze Abhandlung über das Leben Jassir Arafats.

Wir sehen uns wieder im STUDIO -generale-, wenn Persönlichkeiten einmal mehr thematisieren...




































Eckdaten Jassir Arafats:
Geburtsort: nicht eindeutig bekannt, höchst wahrscheinlich Kairo
Geburtstag: 24. oder 27. August 1929
Beruf: „Rais“, der Führer der Palästinenser
Todestag: zwischen 9. und 11. November 2004 im Alter von 75 Jahren
Lebenswerk:
Verwicklung in zahlreiche Attentate gegen die Israelische Bevölkerung, unter anderem auch die Anschläge der Olympischer Spiele`72 in München.
Sein Ziel: Die Errichtung eines unabhängigen Palästinenserstaats, den die Vereinten Nationen 1947 dem palästinensischen Volk versprachen.
Das Problem: Aufgrund der Gründung des Judenstaates Israel 1947 wurde den dort lebenden Jordaniern und Palästinensern das Land genommen, das sie seit über 1500 Jahren bewohnt hatten. Die Juden hatten allerdings einen Altanspruch auf das Land um Jerusalem oder Palästina, der Gründungsstätte ihrer Religion. Seit dem Einzug der Juden in Israel folgten Kriege und Krisen. Zum Beispiel 1949 Israel im 6-Tage-Krieg gegen Ägypten, 1988 Saddam Hussein greift Israel an. Unzählige Attentate auf die Israelische Bevölkerung. Mit mehreren Zehntausend Toten.
1994 wir Jassir Arafat der Friedensnobelpreis zusammen mit dem damaligen Israelischen Staatspräsidenten Jitzchak Rabin verliehen. Rabin wurde wenig später erschossen…

________________________________________________

El Mozo als Jean Claude Maron

Das Gespräch führte Mr. Imp. im Auftrag von Kulturbande.de
Namen geändert. Sollte es wider allen Erwartungen zu Verwechselungen kommen, distanzieren sich die Autoren von jeglichen Mutmaßungen und Verleumdungen. Wenn auch Sie ein interessanter Gesprächspartner sind, wenden sie sich bitte an folgende Adresse: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie es sehen können


Letzte Aktualisierung ( Donnerstag, 20. Oktober 2005 )