Drogen .:. Erfolg .:. Gesellschaftskomplex - Der High-Society-Wahn und deren Folgen
| Kulturbande | Dr. Werner Kromilsky | | | Chefredakteur der Boulevardzeitung „Die Bunte" | Dr. Kromilsky, nach der globalen Entertainmentrevolution nach dem zweiten Weltkrieg haben Künstler, Musiker und Schauspieler eine kaum wegzudenkende Rolle im Leben der Menschheit eingenommen. Menschen folgen Wahlempfehlungen aus Hollywood, lassen sich vom Buddhismuswahn großer Musiker bekehren und konsumieren Uschi Glas-Wellness-Produkte. An Stars, Superstars und Megastars geht auch der große Erfolg nicht spurlos vorüber. Viele Künstler sind mit einer gewaltigen Erwartungshaltung konfrontiert und stehen nicht selten unter enormen Erfolgsdruck, der scheinbar nur mit Therapeuten in den Griff zu bekommen oder mit Drogen erträglicher zu machen ist. Kann man ohne Drogen mit der Entertainment- und Totalvermarktungsmaschinerie überhaupt noch schritthalten? |  | Guten Abend! Dieses Problem zu pauschalisieren ist sicher der falsche Weg; wie es übrigens immer der falsche Weg ist, etwas zu pauschalisieren. Sicher gibt es Druck, auch Erfolgsdruck; doch den Druck spürt auch ein zweifacher Vater, der in einer Fabrik malocht und seine Familie ernähren muss. Vielmehr ist das Phänomen des Drogenmissbrauchs eine Melange aus verschiedenen Ursachen. In Sport, Gesellschaft und Politik ist es heute en vogue, Kokain zu nehmen. Mir persönlich sind durch meine redaktionelle Tätigkeit genügend Fälle bekannt; allerdings werde ich hier keine Namen nennen. Diese Menschen nehmen die Droge, weil es modisch ist; genau wie Schönheitsoperationen oder Polo modisch sind. Es handelt sich im weitesten Sinne um Statussymbole. Zum modischen Aspekt kommt noch die Akzeptanzsteigerung in gewissen Kreisen. Zugeben muss ich allerdings, in Anspielung an meine frühere Aussage, dass es für die oberen Zehntausend sicher einfacher ist an Drogen zu kommen und diese zu bezahlen, als für den Familienvater. Andererseits tragen sie das Risiko, aufzufliegen und ihre Karriere zu ruinieren. Doch in den meisten Fällen kackt das eine dem anderen Huhn nicht in das Nest. Sie werden überrascht sein, aber den stärksten Kokainkonsum findet man in Kreisen, wo ihn kaum jemand vermutet. Ohne meine journalistische Schweigepflicht zu verletzen, darf ich hier kurz die Landespolitik und die Volksmusikszene erwähnen. Dort findet man auch den von ihnen angesprochenen Druck. Gerade in Bereich der Musik, bei der die Welt noch in Ordnung zu sein scheint, ist es der Druck, ein Image aufrechtzuerhalten, denn vom diesem Image hängt viel, wenn nicht sogar alles ab. Wir sprechen hier von Millionenumsätzen. Und gerade heute, wo die deutsche Gesellschaft immer älter wird, spielt das Moik-Reiber-Imperium eine gewichtige Rolle, auch wenn dieser Umstand von der Jugend momentan noch unter den Tisch geschwiegen wird. | Das Moik-Reiber-Imperium ist sicher eine bedenkliche Entwicklung, da gebe ich ihnen Recht. Doch die Jugend wird dies sicher bemerkt haben und kritisch damit umgehen! Ich gehe noch weiterer, Herr Kromilsky, ich sage, die Jugend erwartet aus einigen Gesellschaftsschichten Drogenkonsum. Letztendlich gibt es doch genügen Beispiele, in der die Gesellschaft die Ausrutscher der Stars und Sportler erstaunlicherweise binnen weniger Tage verziehen hat. Stichwort Michel Friedmann oder Christoph Daum. Die Gesellschaft hat akzeptiert. Herr Kromilsky, um noch einmal ihren Gedanken des vielfachen Familienvaters aufzugreifen: Warum ist das Phänomen Drogen, insbesondere Kokain, Heroin (die komprimierte Form von Kokain) und Crack(die rauchbare Form von Heroin) in allen, und ich meine wirklich in alle Gesellschaftsschichten verbreitet? Warum ist einem rumänischen Straßenkind, das in Kanalisationen lebt, ebenfalls wie dem Rockmusiker und Talkmaster der Weg zur harten Droge offen, auch wenn er sich dafür prostituieren muss? Warum leistet sich dieses Kind überteuerte Drogen? Ein Hauch von Glamour und Ruhm? | Sie pauschalisieren schon wieder! Zwischen einem Straßenkind und einem finanziell doch sehr gut situierten Mitbürger unserer Tage existiert doch schon ein gewisser Unterschied, den man nicht mehr als Nuance abtun kann. Zugegebenermaßen kann und muss ich behaupten, noch nie einem dieser bedauernswerten Jugendlichen begegnet zu sein, die ihr Dasein in der Kanalisation mittelgroßer rumänischer Städte fristen. Doch auch wenn ich weiß, dass Sie hier die Fragen stellen; ist es Ihnen schon einmal in den Sinn gekommen, dass die Verlierer der Globalisierung Drogen zum Zwecke des Vergessens nehmen? Sie, die sich jeden Tag im Müll der Gesellschaft suhlen müssen und jedwede Zukunftsperspektive verloren haben, kann man doch wohl nicht mit irgendwelchen Juppies vergleichen, denen das Geld zu Kopfe steigt! Wie sie sicher merken bin ich etwas echauffiert und muss mich jetzt bremsen, bevor ich unsere prominenten Seitenfüller durch rumänischen Gossenschmutz ziehen. Also zurück zum Thema. Die Jugend erwartet Heroen und kein Heroin. Auch wenn ich heute sage, dass man einem Menschen ziemlich alles verzeihen sollte, so lässt sich diese Ansicht doch nur schwer einem Achtjährigen vermitteln. Denn dieser hat sicher noch ein anderes Weltbild als wir Erwachsenen. Ich selbst bin Vater zweier Söhne und in diesem Moment blicke ich doch etwas demütig auf mein eigenes Tun. Schlachten wir nicht diese Affären bis zum Exzess aus um unser lüsternes Publikum zu befriedigen? Ja wir tun es. Aber die betriebswirtschaftliche Sicht auf der einen und die erzieherische auf der anderen Seite klaffen nun einmal auseinander. Doch das ist die Zeit, und ich allein kann sie nicht anhalten oder zurückdrehen. Herr Daum oder Herr Friedman, die ich beide persönlich kenne und schätze, sind doch nur die Spitze des Eisbergs, der sich High Society nennt und doch oft niederer und schändlicher ist als der schlimmste Abschaum. Ich muss hier einfach einmal so deutlich werden. Die beiden Herren hatten leider das Pech erwischt zu werden. Aber sie bewiesen auch Mut. Und wenn es nur der Mut zum Neuanfang war. Sicher, das Thema ist würdig, dogmatisiert zu werden. Doch das ist die Aufgabe der Gesellschaft und nicht die der Presse. Diese, und gerade unser Blatt versteht sich lediglich als aufklärendes Organ. | Wollen Sie damit sagen, dass wir, die treuen und nach dem Gesetz lebenden Menschen den ganz Umfang des Drogenkonsums in der gehobenen Schicht noch nicht erfasst haben? Sie sprachen von der Spitze des Eisberges. Wird ähnlich dem Schicksal der Titanic die Gesellschaft an der grauen, drogenabhängigen Masse - an der schier gewaltigen Dunkelziffer zerbersten und hoffnungslos untergehen? Wenn dem so wäre, dann ist demnach nicht der Terrorismus des Staates Feind Nummer 1 sondern vielmehr der tolerierte Drogenkonsum der High Society. Denn jeder weiß, wenn die Elite des Landes „stoned“ ist, will es das Proletariat auch sein! | Bitte? Entschuldigen Sie, ich habe gerade etwas Druck auf meinen Ohren. Das kommt wohl vom zu kühlen Perrier. Ich bin ja sonst nicht zimperlich, aber der ständige Umgang mit der Prominenz hat auch bei mir seine Spuren hinterlassen. Wasser unter 12,5°Celsius ruft bei mir Ohrendruck und damit einhergehende Teiltaubheit hervor. Könnten Sie die Frage noch einmal wiederholen!? ...
Umfang erfasst? Genau. Nein, das haben sie noch nicht. Die Drogen aller Art legen sich wie ein goldener Käfig über die Upper Class. Goldener Käfig aus dem goldenen Dreieck; Ha Ha, witzig nicht war? Aber eigentlich gibt es nichts zu lachen. Doch das war schon lange vor meiner Zeit als Chefredakteur so und wird wahrscheinlich auch so bleiben. Es gibt nur geringfügige Fluktuationen in Bezug auf die momentane Lieblingsdroge. Zurzeit steht Kokain als Lifestyledroge hoch im Kurs. Was in ein paar Jahren sein wird, vermag ich nicht zu sagen. Es ist natürlich nicht so, wie Sie kolportieren.
Spitze des Eisbergs ja; aber zerbersten der Gesellschaft nein. Denn auch wenn man die Plebejer des Öfteren unterschätzt, so können sie doch nachvollziehen, dass der Mensch in der Öffentlichkeit einem sehr hohen Druck ausgesetzt ist und diesen irgendwie kompensieren muss. Selbst zur Droge zu greifen fällt der Mehrheit glücklicherweise nicht ein. Aber wie gesagt, dieser Umstand kann auch von den hohen Preisen für z.B. gutes Kokain herrühren.
| | Gutes Kokain, Herr Dr. Komilsky. Ich verstehe. Was mich noch interessiert, ähm, wie soll ich, äh. Herr Kromilsky, wenn sie in der „Upper Class“ recherchieren und ständig in Kontakt mit Prominenten auf Koks sind; ist ihnen auch schon einmal Kokain angeboten worden oder haben sie es vielleicht schon einmal selbst ausprobiert? Natürlich nur um Stars besser verstehen zu können. Sie wissen ja, ein guter Journalist muss sich in die Menschen über die er berichtet, hineinversetzen können. | Mit dieser Frage habe ich natürlich gerechnet. Die Antwort ist nein. Natürlich habe auch ich in jungen Jahren neben Alkohol und Zigaretten schon das ein oder andere Mal einem schönen Joint gefrönt. Sogar heute bin ich, wenn es die Arbeit zulässt, nicht abgeneigt. Allerdings ist Marihuana in keinster Weise mit Kokain zu vergleichen. Und wenn ich mich recht erinnere, ist mir auch noch nie etwas von Kundenseite her angeboten worden. Die Prominenten wären ja dumm, würden sie das Risiko eingehen. Denn ist einer mal nicht mehr so prominent oder legt sich mit der Presse an, so könnte ich nicht dafür garantieren, sein damaliges Angebot gnadenlos auszuschlachten und uns in ein gutes Licht zu stellen. Ob es in unserer Redaktion Kokainkonsum gibt; dafür würde ich allerdings genauso wenig die Hand ins Feuer legen. Es kursieren ja immer Gerüchte. Solange die Leute ihren Job gut machen ist mir das auch egal. | | Vielen Dank für die Offenheit Herr Dr. Kromilsky. Ich wünsche Ihnen und Ihrer Redaktion weiterhin viel Erfolg und stets den richtigen Richer… | | | | | Das Gespräch führte Mr. Imp. im Auftrag von Kulturbande.de | Namen geändert. Sollte es wider allen Erwartungen zu Verwechselungen kommen, distanzieren sich die Autoren von jeglichen Mutmaßungen und Verleumdungen. Wenn auch Sie ein interessanter Gesprächspartner sind, wenden sie sich bitte an folgende Adresse:
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