The Karlsruhe Years 0 - Go West
Geschrieben von Imperator   
Donnerstag, 1. Februar 2007

The KarlsruheYears 0:

Go west

Wenn man sich Deutschland auf der Landkarte genauer betrachtet, fällt die große Unförmigkeit dieses Landes auf. Es ist nicht besonders groß, hat keine Ecken und besitzt nicht im geringsten Ähnlichkeit mit irgendeinem Gegenstand. Gut, der Stiefel ist schon vergeben, aber ein Sack Kartoffeln hätte es aus rein marketingtechnischer Sicht vielleicht auch getan. Damit die Kartoffel, als urdeutsches Produkt auch in seinen Umrissen einen gottgegebenen Bezug zu Deutschland haben kann. Aber solche Spielereien sind uns leider nicht zu teil. Wie auch immer, wenn man Deutschland von einer Ecke zur anderen Ecke befahren wollte, hat man zwei Möglichkeiten. Diagonal von Bayern nach Schleswig-Holstein wäre die eine Variante.
Eine wesentlich längere ist die von Rügen nach Freiburg. 1200km misst sie. Weiter sind sich Deutsche nicht entfernt.

Nun gut, ich bin von Stralsund nach Karlsruhe gezogen, was mit 900km auch nicht zu unterschätzen ist. Die fetten Jahre des Studiums waren vorbei. Die Diplomarbeit rückte gefährlich nahe und damit der Abschluss und damit auch die schwere Zeit des Lebens um wenige Augenblick hinausgezögert wird, entschloss ich mich, in einem unachtsamen Moment, mich für ein freiwilliges Praktikum in Karlsruhe zu bewerben. Als ich die Online-Bewerbung geduldig ausfüllte, schlug die Uhr gerade 4 Uhr morgens.
Es war der letzte verzweifelte Versuch, den kleinen Zeh in irgendeine Arbeitgebertür zu dreschen, nur damit man mir später, wenn die Arbeitslosigkeit drohte, keine Vorwürfe wegen Untätigkeit machen konnte. Man suchte einen eifrigen Studenten, gern auch Absolventen, der mit erfahrenen Produktmanagern Marketing im großen Stile betreiben soll. Es war eigentlich nicht mein Interessensgebiet, ja nicht einmal Studienschwerpunkt. Gott weiß, welcher Teufel mich ritt, doch eine Bewerbung zu platzieren. Und als der Ruckruf kam, wann die Firma mit einem Vorstellungstermin mit mir zu rechnen habe, klingelte bei mir nichts. Welches Praktikum? Wo? In Karlsruhe? Wann habe ich mich denn in Karlsruhe beworben??? Nun gut, ich habe zugesagt, einen Termin vereinbart und mich erst anschließend an den Computer gesetzt um vorrangig zwei Fragen zu klären: Auf was habe ich mich beworben; und wo zum Teufel liegt Karlsruhe?

Ich fand es relativ schnell heraus. Karlsruhe, am Rande Deutschlands, an der Französischen Grenze inmitten des malerischen Badens. Oder Schwabens? Sicher war ich mir jedenfalls nicht.

Die letzten ausstehenden Studiumsprüfungen trat ich irgendwann zwischen Januar und März 2006 an. Zu meiner Überraschung schaffte ich sie alle beim ersten Anlauf. Demzufolge ging meine Rechnung nicht auf: „Naja, hab ja eh noch nach diesem Semester 3 Prüfungen offen, kann also nicht das Dilpom antreten, machste halt nen Praktikum zur Überbrückung!“

Die anschließende Bewerbungtour durch ganz Deutschland brachte viele Erkenntnisse. Aber vor allem einen Job. Und nach einer Nacht im Hotel Eden, nahe des Karlsruher Bahnhofs und einem knappen aber gehaltvollen Vorstellungsgespräch war die Sache geritzt. Praktikum, 6 Monate, Marketing – gute Bezahlung.

Ich fuhr zu meinem Kumpel nach Göttingen, um das Praktikum zu begießen. Und nahe der Tageswende, nach 5 Weizen und noch mehr Tequila fiel es mir auf: Scheiße, ich ziehe nach Karlsruhe! Was zum Teufel will ich denn in Karlsruhe!!
Zu diesem Zeitpunkt fehlten mir allerdings die Alternativen, um vielleicht zwischen lukrativeren Städten zu wählen. Frankfurt hätte ich toll gefunden. Berlin sowieso, aber auch Stuttgart, Köln, ja sogar Hannover wäre eine lohnenswerte Alternative gewesen! Karlsruhe ist es geworden. Nun gut, dann eben ein Zweitligafußball…


Letzte Aktualisierung ( Donnerstag, 1. Februar 2007 )