| The Karlsruhe Years I: "Teletext ist mein Internet" |
| Geschrieben von Imperator | |
| Sonntag, 9. April 2006 | |
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Wenn man, so wie ich, die tägliche Mitverantwortung über eine Internetseite wie diese hier aufgebürdet bekommt und auch sonst den halben Alltag in die Onlinewelt verlegt hat, dann ist eine dauerhafte Trennung vom Internet nur schwer zu verkraften. Ja, ich bin bekennender I-Net-Junkie, der so ganz ohne nicht mehr kann und will. Nach meiner Ankunft im badischen Karlsruhe, meiner künftigen Wirkungsstätte, habe ich mich gleich auf die Suche nach einem Internetcafe begeben. Nach mehreren Kilometern fand ich es: Das Eldorado der Online-Welt: „Chat’nCall“. Darunter klein gedruckt: „Internet-Cafe“.
Die Amtsprache im „Chat’n Call“ war nicht deutsch, sondern eine unbekannte Sprache vom Schwarzen Kontinenten. Ich verstand niemanden – kurzum, ich war so fehl am Platz, wie Schweinshaxe auf einer Bar-Mizwar. Teil 2:Das ich Internet-Cafes aufsuchen muss, hat berechtigte Gründe. Zum einen die Vorkriegstechnik in meinem Appartement. Ich nehme an, es wurde hier die seltene Art der Wolfram-Leitung verlegt, die weder High-Speed-, noch Low-Speed-Internet-ready ist. Zum anderen die panische Angst der Systemadministratoren meines Arbeitgebers vor Viren-Spam-Schnulli aus dem Internet. Man traut mir den gewissenhaften Umgang mit dieser Technik einfach nicht zu. Also sperrt man es vorsichtshalber. Das war dann wohl auch der Grund, dass mein Chef sich nicht mehr beruhigen konnte, als herauskam, dass ich E-Mails nicht an die freie Welt verschicken kann: (O-Ton) „Wie? Sie kommen nicht extern? Aber jeder kommt doch extern, warum Sie dann nicht? Ohne extern können Sie doch nicht vernünftig arbeiten! Ich werde Sie für extern beantragen!“ Das tat er dann auch, nur leider ausschließlich für den E-Mail-Verkehr. Der Wortschatz dieser Marketing-Experten, zu denen ich mich jetzt wohl auch zählen muss, beinhaltet ohnehin besonders viele Abkürzungen und Englisch-Deutsche Redewendungen. Das Wort extern spielt dabei offensichtlich eine wesentliche Rolle. Extern ist nämlich alles, was nicht intern ist. Also wenn ich das Bürogebäude verlasse, bin ich bereits Extern, jene Welt, in die mich die Systemadministratoren nicht lassen wollen. Dabei scheint diese externe Welt so sicher! Aber damit nicht genug der seltsamen Mundart. Im Business zum Beispiel trifft man sich nicht einfach so. Man meetet sich! Am besten extern, um vielleicht über Verbesserungen im doing zu kommunizieren. Natürlich nur im Beisein von MCK04 und SSZ 212. Das hat dann nämlich höchste Prio! Denn, und das müssen Sie sich merken, kolo ist nichts auf dieser Welt! Man nutzt diese Mundart wohl nur deshalb, damit man schon beim Kommunizieren Rationalisierungseffekte erzielen kann. Von den Synergien mal ganz zu schweigen! Ein guter Freund verriet mir noch vor Arbeitsantritt das größte Geheimnis der Geschäftswelt: „Wenn du etwas falsch gemacht hast, aber nicht dumm dastehen willst, sag einfach: „Oh, das wurde mir wohl falsch kommuniziert!“ Und schon ist man aus dem Schneider. Werde ich wohl mal anwenden. Aber Gott sei Dank ist die Arbeitswelt nicht alles im Leben. Es gibt ja auch so etwas wie das Private. Und das wird hier in Karlsruhe besonders geschätzt. Die Badische Kultur verbietet es nämlich, Außenstehenden einen Einblick in das Privatleben zu gewähren. So haben die Architekten aufgrund dieser tief greifenden Angst vor Privatspionage in alle Fenster massive Rollläden einbauen lassen. Und die werden genutzt. Bis in die obersten Stockwerke. Sobald die Sonne dem Untergang naht, verbarrikadiert sich der Badener. Besonders Verängstigte auch tagsüber. Das schafft zwar Sicherheit, aber wenig Warmherzigkeit. Davor hatte mich auch schon Frau Özdem, die 28-Jährige deutsch-türkische Reinigungs- und Hausverwaltungskraft gewarnt. Früher waren im Haus viele Partys. Aber das hat man der Hausgemeinschaft über die Jahre austreiben können. Jetzt wird hier anonym gewohnt! Wahrscheinlich nur ein Grund, warum man auf den Fluren niemanden trifft. Mit kameradschaftlichem Gruß, Imp. PS: In der Sehenswertes-Abteilung sind ein paar Fotos aus Karlsruhe. Vorheriger BeitragThe Karlsruhe Years II - Aber hier leben... Nächster Beitrag: The Karlsruhe Years 0 - Go West |
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| Letzte Aktualisierung ( Samstag, 4. April 2009 ) |

Eine abgewrackte Telefonbude mit einer Hand voll Brotmaschinen, die laut Inhaber internetfähig sein sollen. Ich habe einen Kaffee bestellt, schließlich saß ich nach Herstellerangaben in einem. Im Nachhinein betrachtet, hätte ich es lassen sollen. Mindestens 10 Stunden alten Kaffee aus einem hoffentlich sauberen Pappbecher haben meine Geschmacksknospen arg gequält. Die Stühle unbequem, die Schriftdarstellung von Windows auf Nigerianisch gestellt und dauerhafter Höllenlärm einer kenianischen Großfamilie. Ja, es war offensichtlich eine Anlaufstelle aller Ausländer der Umgebung, die sich mal wieder unterhalten wollten. Die Preise waren zwar i.O., wie der Volksmund so sagt, aber der Service und die Atmo, Herrgott, keinem anzubieten.