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The Karlsruhe Years III:
Business as usual
Das Leben war auch schon einmal einfacher, dachte ich mir, als der Wecker nun schon in der 6.Woche am Stück Punkt 7:56Uhr klingelte. Eigentlich eine für arbeitende Menschen humane Zeit, konnte ich mich denn noch nicht daran gewöhnen.
Mir fehlte das Schwänzen von Vorlesungen, das spontane „lass’ mal einen trinken gehen“, jenes „kommst du mit aufs Festival, lernen kannst’ auch später!“
Dabei hatte ich gerade einen Rhythmus entwickelt, die Woche halbwegs schnell abzufertigen.
Montags und dienstags war ich in der Kleidungsfrage voll auf Business eingestellt, frei nach dem Motto richtig viel zu schaffe, damit der Schwung für den Rest der Woche auch noch reichte.
Die Wochenmitte und der dazugehörige Donnerstag konnte man „business-light oder economy-sportive“ bezeichnen, eben nicht mehr streng geschäftig, sondern mit lockeren Schuhen und einem Hemdknopf mehr offen als sonst.
Teil 2:
Und dem Freitag, der offiziell legeren Tag, begegnete ich mit in der Geschäftswelt genannter „casual cloth“ also all dass, was normalerweise nicht angezogen werden darf.
Zu meiner Ausrüstung durfte natürlich die zerrissene Jeans nicht fehlen.
Aber mit Verlaub gesagt, war ich noch immer der best-aussehendeste Mitarbeiter im Laden, zumindest freitags. Denn während die Manager und Abteilungsleiter die gesamte Woche mit feinsten Anzügen glänzten, so erschienen sie freitags in 20 Jahre alter Blue-Jeans, wie sie nach der Wende an Vitschi-Ständen verkauft wurden.
Fehlte nur noch, dass der Abteilungsleiter im „Black-And-White“ Trainingsanzug vom Chinesen aufkreuzt. Genau den lächerlichen Trainingsanzug, der schon beim scharfen Hinschauen zerreißt und obwohl es der Name UND der Schriftzug auf dem Rücken unmissverständlich klarmachte, nicht schwarz und weiß, sondern schwarz und pink war!
Eine wage Erinnerung an die miesen Zeiten kurz nach der Wende.
Doch mit solchen Fetzen wagte es niemand, im Büro auftauchen – denn noch war es jeden Freitag eine interessante Erfahrung, zu sehen, wer wie in seiner Freizeit herumlief.
Am Besten gefiel mir die Metamorphose eines Mitarbeiters, der montags bis donnerstags mit eleganten Boss-Anzügen prahlte und freitags mit Kordhose und Karohemd antanzte. Er hätte ohne Probleme einem Deutschlehrer Konkurrenz machen können! Es fehlte nur das Kordsakko mit Aufnähern an den Ellenbogen, doch das konnte er mit einer urhässlichen Kunstleder-Aktentasche wettmachen, die er ausschließlich freitags mit sich herumtrug.
Das Business hat eben auch seine B-Seiten, auch wenn man es nicht immer glauben mag… |