The Karlsruhe Years V - Baden im Sommer
Geschrieben von Imperator   
Samstag, 3. Februar 2007

The Karlsruhe Years V:

Baden im Sommer

Die Frage stellte sich eigentlich nur Anfang April, kurz noch meinem Debüt in der Geschäftswelt von Karlsruhe: „Heute mit oder ohne Pullover?“

Denn nachdem ich Anfang April noch die Nachwehen des Winters spürte, folgte mit nur wenigen Tagen anstelle des Frühlings gleich der Sommer. Zugegeben, der Winter im Jahr 2006 überraschte in Ausprägung und Länge, wie es sonst nur Frauen der Sage nach das Gemächt eines Schwarzafrikaners überraschen konnte, doch für einen Norddeutschen war der Umschwung von nasskalten 3°C auf schwül-warme 25°C innerhalb einer Woche nur schwer zu vertragen. Wie dem auch sei, nach wenigen Wochen im badischen Karlsruhe war Hitze angesagt! Der Aussage eines Kollegen konnte im Nachhinein betrachtet nicht genügend Ausdruck verliehen werden: „Wenn der Sommer kommt, dann gescht hier am Stock!“

Und auch wenn das Wetter hier übel mitspielte, eine brennende Frage konnte ich nur dank der Hitze beantworten: Die Karlsruher verbarrikadierten sich mit Rollladen und Co nur deshalb, damit sich das Haus nicht aufheizt. Eine weise Entscheidung, denn wie sich spätestens im Juli herausstellte, waren in meiner bescheidenen Bude auch nachts noch um die 30°C Umluft. Aber ich blieb hart. Dachte mir, jetzt nicht schwach werden, auch wenn die Nachbarn etwas ungläubig staunten, wenn ich in der Mittagshitze die Fenster aufriss und nach frischer Luft auf dem zum Brutkasten gewordenen Balkon hapste.

Nun ja, die Sommer waren hier außergewöhnlich heiß, soviel war gewiss. Und die nächtlichen Gewitter? Man sollte meine, sie wären monströs – aber sie waren nur lächerlich. Es blitzte und donnerte gewaltig, stundenlang beherrschte eine bedrohliche Geräuschkulisse den Himmel Karlsruhes, aber der erlösende Regen, der vielleicht die Gegend um nur wenige, aber denn noch wichtige Grade hätte abkühlen können, blieb aus. Oftmals fragte ich mich, wo die Wassermassen eines solch monströsen Gewitters eigentlich blieben. Bis eines Tages, ich hielt mich gerade im geliebten Chat’n’Call auf, das Wetter mal wieder simulierte wie ein Grundwehrdienstleistender beim Amtsarzt und außer Lärm und einem lauen Lüftchen nichts an Unwetter erinnerte. Ich stieg ins Auto und fuhr die 5km nach Hause. In meiner Wohnsiedlung dann die Überraschung. Umgestürzte Bäume, ein Haufen Gestrüpp auf der Straße und zerborstene Blumenkästen auf dem Gehweg. ‚OK’, dachte ich, ‚gleiche Stadt, gleiches Wetter gilt hier wohl nicht’ und umkurvte die mit gemütlicher Miene fegenden Anbewohner.

Und wenn ich weiter über den Sommer in Baden nachdenke, fällt es mir zunehmend schwerer, zu glauben, dass es in Freiburg/Breisgau, der so genannten Toskana Deutschlands, tatsächlich noch 1 oder 2 Grad Celsius mehr haben soll als hier. Ein Blick auf die historischen Wetterdaten dieser Stadt belegen, was ich schon lange vermutete: Et is net normal!


Letzte Aktualisierung ( Donnerstag, 1. Februar 2007 )