The Karlsruhe Years VI: "Eine Neue Bude ist wie ein neues Leben"
Geschrieben von Imperator   
Mittwoch, 1. November 2006

The Karlsruhe Years VI:
Eine Neue Bude Ist Wie Ein Neues Leben

Ich hatte es lange geplant, sehr lange geplant und eigentlich hatte ich mich auch schon damit abgefunden, für ewig in den fürsorglichen Armen Frau Özdems zu wohnen. Doch ich schaffte es, an einem sonnigen Donnerstag - meine zwanzigste WG-Besichtigung. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich nahezu alles gesehen, Bruchbuden, Luxus-Lofts, sportlich-elegante, sportlich-stinkende und sportlich-schwuchtlige WGs. An diesem Donnerstag bereitete ich mich also auf eine weitere Niederlage auf dem heiß umkämpften Wohnungsmarkt Karlsruhes vor.

Es war eigentlich nicht meine Ecke, doch verriet schon der Straßenname nur Gutes: Putlitzstraße. Meine Synopsen verrieten mir, vielleicht dem großen Putlitz auf den Versen zu sein und wenn das nicht zutreffe, dann doch zumindest dem weniger großen Pulitzer! Aufgrund dieser Illusion schlich sich bei mir die Bezeichnung Putlitzer Straße, also eine Mischung beider ein, was mir in den nächsten Wochen eine Menge fehlgeleiteter Post und den Zorn diverser Mobilfunkanbieter-Sachbearbeiterinnen einbrachte. Warum? Weil ich in diese Wohnung gezogen bin. So, jetzt ist es raus. Kein Spannungsbogen in der Geschichte, keine Höhepunkte, ab jetzt nur noch schnöde Berichterstattung:

 

Teil II:

Nun, ich muss gestehen, die Gegend in der mein neues Heim liegt, ist äußerst elitär. Das prunkvolle Arbeitsamt in Spuck-, das ruhmvolle ZKM* in Sichtweite. Die Jolly-, Mathy-, selbst Otto-Sachs- und die große Hirschstraße mit der dazugehörigen äußerst sehenswerten Hirschbrücke, auf der jährlich das Hirschbrückenfeste** abgehalten, ach zelebriert wird – alles in nähester Umgebung. Also die Gegend ist gut plus, soviel ist sicher.
Und die Wohnung? Nun ja, sie ist billiger, größer, heller und billiger als die bei Frau Özdem. Nette Mitbewohner leben auch schon drin. Also kann sie ja nicht besonders schlecht sein. Und ich hatte auch schon viel mehr Spaß, mehr Besuch, mehr Internet seitdem ich hier lebe.
Man kann sagen, ich partizipiere wieder. Ich partizipiere am Leben. On-, wie offline!
Das neue Leben brachte allerdings nicht nur Erlösungen mit sich. Die kleinen Nettigkeiten der Firmenappartements waren passè, vor allem der Roomservice und die Tiefgarage. Und als ob die heilige Wettermaschine es geahnt hatte, dass in meiner neuen Wohnumgebung die Parkplätze etwa 5 Minuten Fußweg entfernt waren, regnete es fortan jeden Morgen zwischen 8:30 und 9Uhr. Die Zeitspanne, in der ich mich auf den Weg zum Auto machte. Ich zog dann meist einen Pullover oder eine leicht Jacke an und sobald ich im Auto saß, stoppte der Regen, die Sonne heizte wieder ordentlich ein. Nach ein paar Tagen hatte ich mehr Klamotten im Auto, als im Schrank. Das waren sie also, die bitteren Geschmäcker der absoluten Selbstständigkeit. Doch das nahm ich in Kauf! Schließlich hatte ich lange darauf warten müssen.

* - ZKM: Zentrum für Kunst und Mediengestaltung
** - Hätte Rostock eine solch schöne Brücke, würden sie ebenso darauf Fest feiern und soviel wie möglich Alltag darauf verlegen!

Neue Fotos der Wohnung, von Strasbourg und mehr im Bereich Sehenswertes - Karlsruhe Years.


Letzte Aktualisierung ( Mittwoch, 1. November 2006 )