| Unbezahlbare Bundeswehrerfahrungen - Saufen mit Landarbeiter und Förster |
| Geschrieben von Imperator | |
| Montag, 18. Oktober 2004 | |
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Als ich noch jung, voll guter Hoffung und gespannt den Geheimnissen des Lebens auf der Spur war, kam der Tag, als ein Musterungsbescheid ins Haus flatterte. Aufgeregt und ein wenig ängstlich von den vielen unheimlichen Geschichten und Erfahrungsberichten, die um eine Musterung geistern, betrat ich das Kreiswehrersatzamt. Und so wurde ich gemustert wie zuvor noch niemand gemustert wurde und man stufte mich für so tauglich ein, wie zuvor auch noch niemand eingestuft wurde und man teilte mich der Luftwaffe zu wie zuvor noch niemand irgendeiner Luftwaffe zugeteilt wurde. Nach Abschluss der Schule begann für mich einer der aufregendsten Lebensabschnitte, die ein junger Mann erfahren kann. Und so trug es sich zu, dass ich auf einer Geburtstagsparty eines Kameraden landete und mein bisher peinlichstes Erlebnis mit dem Alkohol machte. Man hatte mich im Vorfeld gewarnt. Saufe nie mit Landwirten, hieß es, die vertragen mehr als du. Aber leichtsinnig achtete ich nicht darauf und begab mich auf die Stube, die mit einem Landwirt, einem Forstarbeiter, einem Kaminbauer und sonstigen Handwerkern und Bauarbeiter belegt war und als äußerst trinkfest galt. Die Getränkauswahl war bescheiden, standen auf dem Tisch nur Flaschen der billigsten Kornabteilung und ein magerer Kasten Bier, der bereits nach einer halben Stunden nicht zu reichen drohte. Und sie füllten mich ab, wie es sonst noch niemand schaffte. Korn pur und in dubiosen Mischvarianten, jenseits vernünftiger Mixverhältnisse brachen mir schon nach kurzer Zeit das Genick. Doch ich gab mich nicht geschlagen und hielt bis zum bitteren Ende durch. Nahe der Alkoholvergiftung glitt ich 2 Stunden vor dem Morgenappell ins Bett. Der nächste Morgen. Fünf Kameraden versuchten mich zu wecken. Erst nach den wenig sanften Weckversuchen eines Vorgesetzten stand ich, fast selbstständig und konnte mich gerade noch rechtzeitig anwesend melden. Schlechte Bedingungen für einen arbeitsreichen Bundeswehrtag, dachte ich. Die monströsen Kopfschmerzen ließen kaum Bewegung zu, an Frühstück nicht im Entferntesten zu denken. Ja selbst einen vernünftigen Gedanken zu fassen, fiel schwer. Mit Grauen dachte ich an die Busfahrt, die uns Soldaten zum 20km entfernten Arbeitsplatz bringen sollte. Der fehlende Katalysator des mindestens zwei Dekaden alten Busses und die Vermutung, dass die Abgase ins Fahrzeuginnere geleitet werden, ließen in mir schlimmste Befürchtungen keimen. Ausgestattet mit einer Kopfschmerztablette der härtesten Sorte und einer großen Flasche Wasser bestieg ich den Bus. Wohl wissend einen Platz am Ausgang besetzend, begann die schreckliche Fahrt. Schlechte Luft und das unaufhörliche Schaukeln taten ihr übriges, als mir der Speichel in den Mund schoss. Es war klar, diese Fahrt werde ich nicht durchhalten. Hastig nippte ich am Wasser. Die Kopfschmerztablette hielt ich noch immer in der Hand, nicht dass ich sie umsonst nehme, dachte ich. Der Ausbruch naht. Ein Kamerad schaut mir in die Augen, sieht das sich anbahnende Unheil und lässt den Bus auf der Stelle halten. Die Tür geht auf, ich sprinte raus und will mich an einem nahegelegenen Baum übergeben. Das schallende Gelächter aus dem Bus und die 40 Bundeswehrköpfe an die Scheiben drückend veranlasste mich, diese Aktion nochmals zu überdenken. Zusammenreißen, dachte ich, ging in den Bus zurück und nahm meine Sachen heraus. Ein „komme später mit dem GvD nach!“ konnte ich mir noch rausquälen. Der Bus fuhr los, ich machte mich mit strengem Schritt in Richtung einer Böschung auf und übergab mich, wie sich sonst noch nie jemand an dieser Böschung übergeben hatte. Durch die fehlende Nahrungsaufnahme und dem vielen Wasser im Magen erinnerte die Konsistenz und der Geschmack des Erbrochenen an den Korn letzter Nacht. Angeekelt vom Geruch übergab ich mich noch einige Male mehr. Und ich wusste, dieser Baum an dem ich lehne, wird mit dem Alkoholregen noch lange zu kämpfen haben. Nach fünf Minuten würgen und husten endlich die erste Entspannungsphase. Ich öffnete meine zitternde Hand und sah die Kopfschmerztablette. Gott sei dank, dass ich die nicht genommen habe, dachte ich und machte mich auf den Weg zurück zur Kaserne. Und die war zu meinem Erstaunen keine hundert Meter entfernt. Dabei kam mir die schreckliche Busfahrt ewig vor. Umso besser, dachte ich und torkelte zum Kasernentor. Ein ungewöhnlich alter Mann förderte mit militärisch lauter Stimme meinen Ausweis. Ich sah hoch und ein Oberstleutnant stand mit grimmigem Gesicht vor mir und wollte wissen, wo ich denn jetzt noch herkäme. Ich stammelte irgendetwas von „Was vergessen“ und machte mich flinken Fußes aus dem Staub. Nach diesem Erlebnis schwor ich mir, nie wieder Korn anzurühren. Das habe ich bis heute durchgehalten! Imperator Vorheriger BeitragOder Bier genießen mal |
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