Voelkerverstaendigung ohne Umlaute
Geschrieben von Jule   
Montag, 4. Dezember 2006

cardiff.gifNein, keine Panik, die lange Abwesenheit der frisch von der Kulturbande erworbenen Autorin Juliane (auch Jule genannt) ist nicht darauf zurueck zu fuehren, dass sie verrueckt geworden ist, weil sie den Plot von „Lost“ nicht versteht, wurde auch nicht von einem Gurkenlaster von Kueblboeck ueberfahren und hat auch nicht ihren lang gehegten Plan, Jessica Simpson zu ermorden, in die Tat umgesetzt . Stattdessen hat sie sich wagemutig ins Ausland, sprich Cardiff in Wales, gestuerzt, um dort vorzugeben, zu studieren, obwohl sie eher damit beschaeftigt ist, Kekse zu essen und gute Musik zu hoeren. Um die Kulturverstaendigung aufrecht zu erhalten, hat sie (also ich), nun eine Liste geschickt, was denn so exotisch und total verrueckt ist, im Gegensatz zu unseren schoen bestaendigen deutschen Gewohnheiten.

Jetzt seit ca. 2 Monaten auf der Insel und immer noch erstaunlich gut gelaunt, mit einem Schuhkarton-Zimmer und einem Duschklo. Allerdings, wie das eben ist, gibt es immer und ueberall Dinge, die „zuhause aber nicht so sind“. Um nicht dem Ruf der Deutschen (Zweitunbeliebteste Touristen der Welt, weil sie sich immer beschweren) nachzukommen, habe ich natuerlich auch einige Unterschiede mit eingeflochten, die nicht wirklich mit diesem meckernden Ton vorzutragen sind, den man immer annimmt, wenn man vom Ausland erzaehlt. Uebrigens: die unbeliebtesten Touristen der Welt sind die Englaender. Tja, man lernt nie aus.

Umlaute: Gibt es auf der englischen Tastatur nicht. Wer daran gewoehnt ist aussergewoehnlich viele Worte mit Umlauten zu schreiben, muss sich schon damit abfinden langsam zu lernen, wie man fluessig oe und ue und ae schreibt. Das kann auch mal einige Wochen dauern und die daraus resultierende Frustration sollte nicht am Computer abgelassen werden, sondern am Nachbarn im Computerpool, wegen dem kriegt man dann auch keinen Aerger von der Aufsicht, es sei denn der beschwert sich etwas zu laut. Aber, wie ihr seht liebe Leser, hat die werte Autorin es mehr oder minder geschafft, fragt aber lieber nicht, wieviele Computerpool-Nachbarn dran glauben mussten.

PS: SZ gibt es auch nicht, ich bin also schon in der Lage, zu wissen, wann ich es schreiben muss(haha), aber hierzulande verweigern sich mir die Moeglichkeiten, es zu schreiben.

Wuerstchen: Gibt es nicht in England/Wales. Stattdessen gibt es grau-rosa farbene Dinger, die nicht umsonst ‚Leichenfinger’ genannt werden und die im besten Fall nach nassem Brot schmecken, was ja nicht sooo schlimm ist, muesste man sich nicht irgendwann die Frage stellen, welches Koerperteil vom Schwein denn bitteschoen nach nassem Brot schmeckt. Die Antwort will man dann aber wohl noch weniger als die Wuerstchen selbst

Radio: DAS gibt es hier und wer haette es gedacht, der Mythos stimmt, die Englaender haben (abgesehen vom Crazy Frog) einen besseren Musikgeschmack als die Deutschen, denn die Peinlichkeitsrate der Songs im Radio ist hierzulande ueberraschend niedrig, stattdessen gibt es knackige Indiesongs und halbwegs lustige Djs. Wenn wir nicht Mia, Beatsteaks und Robocop Kraus haetten, wuerde ich wahrscheinlich vor Scham im Boden versinken, naja, noch mal Glueck gehabt.

Hoertips: the Fratellis, Snow Patrol, the Counterfeits, Kennedy Sunday und die bereits hoch gelobten Leave the Capital (Arctic Monkeys und the Kooks muss ich hoffentlich nicht mehr erwaehnen, oder?)

Strassen: Was dem Deutschen sein gepflegter Ziergarten ist , das ist dem Englaender seine nett aufgereihten Muellbeutel. Die werden naemlich von der Muellabfuhr nicht aus Tonnen gepflueckt, sondern von der Strasse. Das klingt moellig und sieht sogar noch schlimmer aus. Dass betrunkene Englaender sich auch gerne einmal als Beckham versuchen und den Inhalt prall gefuellten Stinketueten quer durch die Gegend schiessen, ist dann auch kein Wunder und ich stell mittlerweile keine Fragen mehr. Ich wuerde dennoch gerne einen Tonbandmitschnitt des Politikers haben, der wahrscheinlich etwas aehnliches sagte wie ‚Wir sollten Muelltonnen abschaffen, die verschandeln noch die ganze Gegend.’

Feueralarm:(auch scherzhaft der Toastalarm genannt) Natuerlich sind die Sicherheitsvorkehrung bezueglich eines ploetzlich ausbrechenden Feuers relativ hoch, wenn man eine halbe Stadt voller Studenten mit eigenen Kuechen hat. Der Feuerdrill um 7Uhr Morgens ist dann auch sicher eher eine Vorsichtsmassnahme, als der Versuch zu sehen, welcher Student mutig genug war, seinen Winnie the Pooh-Pyjamah von zuhause mit zu nehmen. 90% der ausgeloesten Alarme (man stelle sich Jessica Simpson vor, die einem eines ihrer Lieder ins Ohr bruellt) resultieren aus verbranntem Toast, was kein Wunder ist, wenn 18-jaehrige mal ‚kochen’. Was jedoch verwunderlich ist, ist die Tatsache, dass es in unzaehligen Studentenkuechen immer noch Gasherde gibt. Tja, da hat wohl jemand den Gedanken nicht zu Ende gedacht.

Tee: Wird hier tatsaechlich oft getrunken (hoert, hoert). Tee ist hierzulande nur schwarzer Tee, der mit oder ohne Zucker, aber immer mit Milch getrunken wird, was meine Tarnung als waschechten Englaender aufgedeckt hat. Wer sich zuhause gern mal eine Tasse schwarzen Tee macht und dann sagt: man, ist der stark!, der hat wahrscheinlich noch nie englischen Tee getrunken, da der so stark ist, dass man vielleicht sterben koennte, wenn man den Teebeutel nicht nach drei Minuten aus der Tasse (fuer die Langsamen: in der Tasse ist natuerlich auch heisses Wasser) nimmt. Na gut, so schlimm ist es nicht, ich hab einmal den Teebeutel drin vergessen und lebe immer noch, aber Schlaf sollte man danach fuer die naechsten drei Tage nicht mehr in Betracht ziehen

die Queen: Ist hier immer noch sehr beliebt, ebenso wie ihr nutzloser Ehemann, der besonders durch seine freundliche Art (zu einem kleinen Jungen:“Du kannst kein Astronaut werden, du bist dafuer zu fett“) und seine amuesant rassistischen Kommentare auffaellt. Die Queen ist ja weniger spannend, obwohl es immer noch einige Leute gibt, die sie unbedingt einmal kennen lernen wollen. Aber nicht alle (es folgt ein Auszug eines echten Gespraeches)

Richard:Ich moechte die Queen nicht treffen, ich wuesste gar nicht, was ich ihr sagen sollte, obwohl, eine Frage haette ich, ich wuerde sie fragen, ob sie sich selber anziehen kann.
(Ich):Wieso das?
Richard: Es wird behauptet, dass die Queen sich nicht selbst anziehen kann, weil sie von klein auf, von den Bediensteten bekleidet wurde (raeuspert sich)
Mom, can you put on your clothes on your own?
Nick: Du kannst die Queen doch nicht mit Mom anreden, dass gehoert sich einfach nicht.
Richard:Wieso, sie ist doch die Mutter der Nation?
Ich: das macht Sinn.

Regen: Man sagt, dass die Iniut unzaehlige Begriffe fuer Schnee haben. Seltsam, dass die Waliser nicht unzaehlige Begriffe fuer Regen haben, denn das tut es so gut wie immer und in allen Formen. Ohne Warnung, mit Warnung, troepfelnd, platternd, auch mal hagelnd, aber immer. Wer aus Rostock kommt, empfindet das jedoch nicht wirklich als eine Ueberraschung . Kleine persoenliche Anmerkung, mein Mantel stinkt nach Hundedecke, wenn er nass ist, das ist aergerlich.

Waliser: der gemeine Waliser trinkt gerne (na gut, jeder aus dem UK trinkt gerne) ist ein ungemein freundlicher Geselle und singt in der Oeffentlichkeit (das kann ich bezeugen, mir wurde auf offener Strasse die walisische Nationalhymne vorgesungen)
Nett, diese Waliser.

Fancy Dress Partys: Wir haben Karneval und Fasching und ehrlich gesagt treiben mir bereits diese beiden Festivitaeten die Galle hoch. In Cardiff gibt es jedoch jede Woche ungefaehr 3 fancy dress partys, zu deutsch, Verkleidungspartys. Dass die Themen meist dicht an „Zieh so wenig wie moeglich an“ liegen, ist bei dem Durchschnittsalter von 18-20 kein Wunder, kleiner Auszug aus der Partyliste: Baywatch, Toga, Pimps and Whores. Ich brauche wohl nicht hinzuzufuegen, dass ich bisher auf keiner dieser Partys zu sehen war, weder be- noch entkleidet.

Na, da haben wir ja wieder was gelernt, wozu das nuetzlich ist und ob es ueberhaupt irgendjemanden interessiert, steht wohl in den Sternen, oder im Kulturbande-Forum (bei persoenlichen Beschwerden Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie es sehen können steht immer bereit, um kindisch und eingeschnappt auf jede Kritik mit „Guck dich doch mal an“ zu antworten)
Bis zum naechsten Artikel dauert es dann vielleicht noch etwas, da Madame Autorin einige Aufsaetze schreiben muss, die sie fuer diesen Artikel (willig) aufgeschoben hat.


Letzte Aktualisierung ( Donnerstag, 7. Dezember 2006 )