| Was der Jäger zu schießen säumte |
| Geschrieben von Onkel BanArne | |
| Montag, 13. Oktober 2003 | |
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Letzte Woche war ich auf einer Party des osteuropäischen Rocks. Nach den gewohnten zwei Vorwärmbieren stieg ich in den Keller des Hauses, wo sich das Lokal befindet. Unten erwartete mich ein überfüllter Laden in dem man die Luft schneiden konnte. Die Musik war laut und der Weg zur Bar war mit spaßheischenden Berlinern zugestellt. ‚Naja, irgendwie werde ich da heute noch hinkommen’ war mein Gedanke. Also erst mal die Tanzfläche inspizieren. Die Musik bestand gerade aus nahöstlichem Rhythmus und undefinierbarem Gitarrengeschrubbe. „Aha, so läuft das also in Osteuropa!“ sagte ich zu meinem Weggefährten. Noch eine Weile hinhören und dann wird einem diese Mucke schon passen’ dachte ich weiter. Der Blick auf die Tanzfläche aber zwang meinen eigentlich felsenfesten Optimismus in die Knie: Das Getanze der deutschen Möchtegernosteuropäer glich eher dem Balzritual der Hirsche. So röhrten sie jedes Mal unverständliche Laute an die schön gemauerte Decke, wenn die Stimme des Sängers (weiß der Teufel, um welche Sprache es sich da handeln mochte) andeutete einen Versuch zu starten, den Refrain einigermaßen fachgerecht in die seltsam zusammengewürfelte Musik zu zimmern. Doch wurde nicht nur geröhrt! Nein! Tatsächlich stampften die Hauptstädter in so vielen uneleganten Variationen dazu auf dem einst liebevoll gefertigten Holzfußboden, dass es schier unmöglich war, das Leittier herauszuerkennen. Also hieß es doch erst mal einen akzeptablen Platz an der Bar zu erkämpfen. Nach unzähligen Huftritten der Herde auf meine zuvor bequemen Schuhe erreichte ich endlich die mit sechs Zapfhähnen bestückte Theke. Mit durstgestärktem Blick orderte ich die Bardame zu mir heran und bestellte mit lauter, fast kreischender Stimme (der Refrain wurde von den Großwaldbewohnern begrüßt) ein schönes frischgezapftes Bier. „Wir ham nur Beck’s oder Berlina ausse Flasche!“ schimmert es mir durch den Lärm entgegen. Anscheinend handelt es sich bei dieser Lokalität nicht um eine Tanzbar, sondern eher um eine Geldwäscherei. Vielleicht auch um eine Sekte, deren Anhänger die Biergenießer mit blitzblanken Zapfvorrichtungen blenden wollen, um sie dann vom Rotwild zertrampeln zu lassen. „Zwo fufzig“ Ach ja! Zahlen heißt ja das kleine aber elementar wichtige Zahnrädchen unserer Gesellschaft, nur dass meines keine Zähne mehr hat. „Nicht mit uns!“ rief meine Begleitung, „Lass uns raus und an der Bude Hülsen kaufen. Iss billiger!“ Schön, dass man so tiefblickende Freunde hat, die genau sehen, wo einem der Schuh drückt. Also raus. Draußen, abseits des Eingangs wurde gerade fleißig in die Ecke gekotzt. Sicher handelte es sich dabei um einen Osteuropäer, der einfach keine Heimatgefühle in dem von Deutschen besetzten Club entwickeln konnte. Die Dönerbude war vielversprechend fleischig, nur fehlte der Hunger. Der Durst hingegen war atemberaubend, so dass wir dem netten Dönerzubereiter ein neues Eigenheim finanzierten. Wo er jetzt wohnt, weiß ich leider ebenso wenig wie etwas über den Rest des Abends, da seine Finanzspritzengegenleistung bierhaltig war und wir feststellen mussten, dass Bierhülsen als Radiergummis im Hirn fungieren. Prost! Onkel BanArne Vorheriger BeitragLe Tour de Rostock 03 Nächster Beitrag: Heute: Die Treppenfalle |
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