Bloc Party - a weekend in the city
Geschrieben von Jule   
Freitag, 16. Februar 2007

Aufgeregt bin ich, nervös, ein wenig verängstigt. Wenn eine Band, die man bereits seit ihrer EP fest in sein Herz geschlossen hat, ein neues Album heraus bringt, liegen freudige Erwartung und kritische Vorsicht dicht beeinander. Wer kennt das nicht, den Einbruch einer großartigen Band. Und was ist nun mit Bloc Party?

Wo andere Bands mit einem Donnerschlag beginnen, flüstern Bloc Party einem sacht ins Ohr, dass sie wieder da sind. Die ersten Klänge von "Song for Clay" sind flehend, sanft und tarnen sich als herzzerreissende Ballade, die jedoch schnell in einen leicht verstörenden Geistermarsch übergeht.

Fast glaubt man sich in "Silent Alarm" wieder zu finden, aber bereits der nächste Song "Hunting for Witches" lässt erahnen, in welche Richtung sich die Jungs auch immer bewegen, sie bewegen sich.

Ein wenig erinnern sie an 'TV on the Radio', wie sie ihr untrügerisches Talent für große Melodien mit verstörenden Chören, aggressiven Gitarren und Elektroelementen kombinieren. Mit diesem eklektischen Mix gewinnt das Album eindeutig an Substanz und bewahrt die Briten vor der allumgreifenden Stagnation vieler ihrer Kollegen.

"Prayer" wird wohl demnächst Held aller Tanzflächen sein und wenn nicht, muss ich wohl alle Indiegänger persönlich besuchen und sie auf ihre turnbeschuhten Tanzbeine zwingen und

"Uniform" verwandelt sich sogar unvermittelt in einen Song, der fast schon ELO/Queen Elemente hat, was allerdings wenig stört, Verzweiflung darf auch mal aus den 80ern herausgeboren werden.

"On" und "Sunday" sind dann auch endlich die Balladen, auf die ich gewartet habe, alleine aus dem Grund heraus, dass Bloc Party so großartig darin sind, ehrlich herzöffnende Liebeslieder zu schreiben, mit denen man das berühmt berüchtigte 'Mixtape' verzieren kann, ohne sich zu blamieren.

Das kaum einer der Songs unter der 5 Minuten Marke bleibt spricht für die kreativ-detaillierten Frickeleien, die sich in jeden Song einschleichen und die treibend, aber nie langweiligen Instrumentalstrecken.

Vom Slow-Mo-Song "Kreuzberg" werden dann sicherlich erstmal alle Deutschen und vor allem alle Berliner einen Riesenhit erwarten, wobei zu hoffen ist, dass die hiesigen Indie-Djs diesen Song nicht aus Nationalbewustsein auf die Tanzflächen schleifen, gibt es doch weitaus tanzbareres Material auf dem Album.

Und "I still remember" könnte sehr wohl einer dieser "mein Soundtrack fürs Leben"-Songs sein, der tausende junge Menschen im nächsten Winter an einen wundervoll beschwingten und ereignisreichen Sommer erinnert. Und selbst jetzt, im kalten und unfreundlichen Februar verspricht dieser Song ein Stimmungshoch, wenn ich mir diesen lahmen Wortwitz einmal erlauben darf.

Und langsam, ganz langsam flüstert uns Kele in ein seliges Lächeln, wenn er uns mit "SXRT" eine gute Nacht wünscht und uns ein für allemal zeigt, dass seine Stimme ist immer noch wie die Umarmung eines guten Freundes ist und Bloc Party immer noch wissen, wie man den Pop gerade so weit heraus hängen lassen kann, das er nicht zu klebrig wird.

Danke die Herren, für dieses bezaubernde zweite Date, so ganz ohne böse Überraschungen und schlechtem Atem...


Letzte Aktualisierung ( Mittwoch, 28. Februar 2007 )