Kennt keiner, gibt es nirgendwo und dennoch Jungs und Mädels, die müsst ihr haben!
Geschrieben von Jule   
Montag, 30. April 2007

Es ist selbst für die gesättigte Internetblog-Rostock-schnie-schnack Branche unüblich, einen Außenkorrespondenten oder in diesem Falle eine Korrespondentin zu unterhalten. Die Kulturbande leistet sichs trotzdem, des direkten Drahtes zum Nu-Hot-Shit der UK-Islands wegen.
Nun denn, so lange Jule noch da drüben wohnt, hier die neuesten und vielleicht bald groß angesagten Bands.


Meine Zeit in Cardiff ist geprägt von winzigen Konzerten, in denen es mal nicht schwierig ist, in der ersten Reihe zu stehen, ganz im Gegenteil, wo es schwierig ist, es mal nicht zu tun, wenn man einer von drei Konzertbesuchern ist, die nicht mit der Band befreundet sind, oder zu den Clubangestellten gehören. Da gibt es einige Bands, die so schlecht sind, dass man sich noch eher "Dirty Dancing" mit drei Mädels in Bezieungskrisen angucken würde, aber das muss man Great Britain lassen - im Gro sind die kleinen Bands so gut wie die Großen, nur ohne den Plattenvertrag. Wer mal wieder Bekannte und Freunde mit Namedropping unbekannter Undergroundbands beeindrucken will:

My Luminaries

Wer hätte das gedacht, die Shins auf Britpop funktionieren tatsächlich und zwar so fantastisch, dass ich nur voraus sagen kann, das My Luminaries in spätestens zwei Jahren seeeehr berühmt sein werden. Mit fantastischen Popsongs, die wie Milkaschockolade auf der Zunge zergehen. My Luminaries sind eine dieser Mädchenbands, die auch Jungs gut finden, weil sie kein einziges Mal kitschig sind und mit Songs wie "The Outsider steps inside" müssen sie einfach nur im Radio und auf Festivals spielen, weil solch ein Singlepotenzial unter keinen Umständen an halbleere Clubs verschenkt werden sollte.

myspace: www.myspace.com/myluminaries

youtube: http://www.youtube.com/watch?v=SAca3b9O4_s

Glamour for Better

Wem die Klaxons schon zu schnell und extrem sind, der sollte jetzt lieber aufhören zu lesen, denn was die Klaxons können, das haben Glamour for Better in die Abgründe des musikalischen Chaos gezogen. Mit drängenden, ja fast verzweifelten Chören trampeln sich die Jungs durch den so genannten New-Rave und stampfen mit einem Schlagzeug, zackiger als Opas Herzschlag mit Überdosis Viagra und BlocParty-esquen Gitarrenweisen durch ihre Songs, die einem ständig das Gefühl geben, die Zeit würde schneller verrinnen, als man tanzen kann. Die Jungs, die kaum älter als 17 aussehen, spielen eine Form des New Rave, der mehr mit Refused und Atari Teenage Riot als den fast schon zen-artigen The Rapture zu tun hat und nebenbei machen sie auch klar, dass man auch zu jedem Song so derartig ausrasten kann, dass man nach einem Konzert erstaunt, verschwitz und lauter blauer Flecken übersäht aufschaut, um sich zu fragen, was in einen gefahren ist.

myspace: www.myspace.com/glamourforbetter

help she can't swim

Electronic-Hardcore mit Punkelementen, aber schon dem typisch britischem Sound, kann man sich das vorstellen? Nein, wahrscheinlich muss man sich das dann doch anhören, aber keine Sorge, Help she can't swim machen soviel Spaß, dass man sich damit einen Gefallen tut. Wahrscheinlich mit den gott-ähnlichen Blood Brothers als Vorbildern, allerdings ohne die anarchistischen Brüche inmitten der Songs, basteln help she can't swim kleine Postpunkbiester, die einfach nur Spaß machen und kriegen nebenbei doch wirklich noch ein Glockenspiel versteckt.

myspace: www.myspace.com/helpshecantswim

The Steers

The Steers machen Britpop, wie er sein muss. Bloc Party Gitarren, ein charmanter Akzent, catchy Tunes (für alle, die keine Viva-Moderatoren sind, damit meine ich natürlich verdammt gute Ohrwürmer) und diesen Beat, der einen einfach dazu zwingt mit dem Kopf zu nicken und mit dem Fuß zu wippen. Wahrscheinlich werden sie nicht in die Geschichte eingehen, aber man kommt nicht umhin, sich ein wenig in diese Mischung aus Newnewwave und Britpop zu verknallen, vor allem mit ihrer Single "Money". Für alle, die schon mal wissen wollten, wie sich The Departure mit den Arctic Monkeys gepaart wohl anhören würden.

myspace: www.myspace.com/thesteers

Pull Tiger Tail

Wie erkläre ich jetzt Pull Tiger Tail, ohne mich komplett zu verfransen? Hm, Pull Tiger Tail machen Musik, die sich mal Amerikanisch anhört, der man aber doch anmerkt, dass sie aus London kommt, die Stimme klingt (ich mache keine Scherze) nach dem Sänger von Panic!at the disco, aber sie sind ungefähr so Emo wie das glücklichste Entlein im Zauberland. Pull Tiger Tail machen verschrobene Popsongs, die frisch wie der Frühling klingen, während man eine sprudelige Limonade trinkt. Noch nicht konkret genug? Nun, der Soundtrack für ausgelassene Tage am See, das sind Pull Tiger Tail, poppig, aber musikalisch eigen genug, um nicht in den Einheitsbrei abzurutschen. "let's lightening" klingt, als wären die Shins zu Besuch und "Mr 100 percent" verwandelt sich kurzerhand in einen Arctic Monkeys-Song für Waver, während "Secret Says" wie die Demoversion eines ruhigeren We are Scientists Songs klingt. "Animtor", obwohl auf der myspace-Seite als Demo tituliert zeigt jedoch ganz klar, dass die Jungs gen Indiehimmel schielen, was für ein netter kleiner Song. Was sich aus ihnen entwickelt, wenn sie erst einmal Material für ein ganzes Album haben, kann ich zwar noch nicht sagen, aber ich hoffe das Beste für sie, denn wer denkt nicht, dass der "Popsong" mal wieder ein paar viel versprechende Vertreter braucht?  

www.myspace.com/pulltigertail

the incredible "Animator"-video : http://www.youtube.com/watch?v=sfyy5zhAEBc

PS:

Und für alle, die noch nicht genug haben, hier ein paar Namen, die auch erwähnenswert sind, die aber auch ohne meine Hilfe alsbald in die deutschen Indiecharts stolpern werden (bzw. schon längst drinne hocken, verständlicherweise unbemerkt von mir):

Hot Chip, Jamie T, The Young Knifes, Guillemots, Cansei de Ser Sexy (CSS), Long Blondes, Bromhead Jackets, das Wanderlust, The Automatic, The Pigeon Detectives, Good Shoes, The Maccabees, The Holloways


Letzte Aktualisierung ( Mittwoch, 2. Mai 2007 )