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Es wäre vermessen zu sagen, ich hätte mich schon seit dem legendären Konzert 1992 auf dem Platz in Helsinki drauf gefreut, die Idole so vieler Endzwanziger live zu erleben. 1992 war ich zehn und hatte von Musik keine Ahnung. Aber es gab Erlebnisse in meinem Leben, die unweigerlich mit dieser Band in Verbindung stehen. Zum Beispiel dieses jugendlich freie Gefühl, dass wir hatten als wir im vollbesetzten Mazda 323 lauthals „Those were the days my friend“ grölten und durch die Straßen Rostocks fuhren und uns so groß vorkamen.
Die Leningrad Cowboys – das Sinnbild der wohl ersten friedlichen Annährung mit dem einstigem Klassenfeind. Die Band entstand aus einer Laune eines Filmregisseurs, der die Geschichte einer Kapelle aus Leningrad auf der Suche nach Erfolg in den USA erzählt (Leningrad Cowboys goes America – 1989). Der Erfolg des Films war eher mäßig, doch trotzdem entschieden sich die Protagonisten, die Band weiter zu führen. Und nach dem Fall des eisernen Vorhangs machten sie sich unsterblich. Mit einer gemeinsamen Tour (Total Balalaika Show) des " Alexandrov's Red Army Chorus & Dance". Seither kennt sie die ganze Welt. Und ich natürlich auch! 
Nun, 14 Jahre nach dem Konzert in Helsinki kamen die 10 Finnen, diesmal ohne Rote Armee in meine Stadt.
Und ich durfte dabei sein. Anfangs war ich skeptisch, dachte ‚die Jungs müssen doch jetzt schon mind. Fünfzig sein’ und befürchtete, sie hätten an Schwung verloren, wie es bei all den großen Bands geschieht, genau zu dem Zeitpunkt, an dem die gewaltige Erfahrung von 1000 Konzerten die Spiellaune zur Routine verwandeln lässt. Und am Anfang des Konzertes wurde ich in meinem Denken bestätigt. Unbekannte Lieder, lustlose Ansagen, gelangweiltes Karlsruher Publikum. Nun gut, die Leningrad Cowboys sind nicht für ihre eigenen Songs bekannt. Sie schafften es in Ihrer langen Karriere nie, einen eigenen Song in den außerfinnischen Charts zu platzieren. Dafür waren sie ja auch nicht so berühmt, und deshalb war ich auch nicht da. Und offensichtlich das äußerst gemischte Publikum im Tollhaus Karlsruhe auch nicht.
Nach einer knappen halben Stunde dann das erste Cover – Modern Talking. Nach einer Stunde Sweet Home Alabama. Die Stimmung wurde lockerer. Nach ein Paar weiteren Klassikern und dem ständigen Anspielen von Kalinka, dem Russischen Volkslied war dann wohl auch der Punkt erreicht, wo Badenser in Partylaune sind. Nach zwei Stunden energiegeladener Show tobender Applaus der knapp 1000 Zuschauer – Die erste Zugabe: Those were the days my friend – ein genial gecoverter Elvis-Song – Kalinka in der 5 Minuten Fassung. Ich war begeistert und grölte mit wie früher. Sie konnten es noch immer. Danke Finnland.
PS: Wie es immer so ist, zu den wirklich wichtigen Zeitpunkten im Leben, in denen man sich auf Technik und Akkus verlassen muss, versagt diese. Immer das gleiche. Daher entschuldigt, dass ich meiner schäbigen Handy-Kamera nur dieses eine Bild abringen konnte.
Gute Nacht zusammen,
Ihr Imperator |